bei einem kleinen Kreuze vorbei, das ich vor seiner Kleinheit nicht bemerkt hatte, es war nämlich kaum zwei Fuß hoch. Es fiel mir auf, daß der Mann stehen blieb, und noch mehr, daß er mir durch Zeichen zu erkennen gab, er wolle mir den Hals abschneiden, wobei er freilich lächelte, allein wenn er kein verdächtiger Mensch gewesen wäre, so würde er sich schwerlich einen solchen Scherzes bedient haben. Ich machte ein ernstes Gesicht und schüttelte mit dem Kopf, andeutend, daß er so was Böses nicht thun müsse. Darauf sah er zu dem mehrere Fuß über uns stehenden Kreuz auf und faßte an seinen Hut, und ich meiner Seits zeigte ihm bald, daß ich ihn verstanden hatte, indem ich meine Mütze so schnell herunter nahm, als ich nur immer konnte. Wir gingen hierauf weiter, aber theils wegen sehr großer Erschöpfung, theils um von diesem Menschen los zu
kommen, kehrte ich bald um, nachdem ich [ihm] eine kleine spanische Silbermünze gegeben hatte. Am Nachmittag gingen wir mit einigen Engländern in der Stadt umher, in der wir viel von französischem Schlendrian anzutreffen glaubten; namentlich in den Schenken. Die Stadt mag ungefähr 2.000 Einwohner haben, wo die Hälfte Bettler sein
müssen, indem wir stets von bettelnden Knaben umgeben waren,
( 19 ) wohin wir uns auch wenden mochten. Der Besitzer des Gasthofes, in dem wir aßen, ist ein Engländer, deshalb sehr theuer. Darum gingen wir am folgenden Tage
Den 30ten Juni 1838.
nicht wieder hin, sondern nach einem französischen Kaffeehause. Das einzige Erwähnenswerthe, das wir heute
vornahmen, war, daß wir auf einen andern Berg gingen, so weit wir nämlich in der großen Hitze kommen konnten.
Schon das äußere Ansehen der Insel ließ vermuthen, daß sie vulkanischen Ursprungs sei, das verbrannte Aussehen
der Steine überzeugte uns heute völlig davon. Beim Untergang der Sonne mußten wir nach einem Gesetz der Stadt an Bord gehen und wir waren in der That froh, indem wir den Anmaßungen, die sich der Engländer in einem fremden Lande erlaubt und von denen wir Zeuge wußten, müde waren.
Den 1ten Juli 1838. Sonntag.
Heute Morgen um 8 Uhr verließen wir Sta. Cruz. Als wir weiter in See kamen, zeigte sich der schöne Pik
(30), anfangs bemerkte man nur seine Spitze, zuletzt aber ward er ganz frei. Man bemerkte oben eine weiße Stelle, die nach der Meinung unseres Capitains, aus Schnee bestand, was gar nicht unwahrscheinlich ist, wenn man bedenkt, daß der Pik über 12.000 Fuß hoch ist, und oft die Einwohner von Sta. Cruz uns Gefrorenes anboten, zu dem sie das Eis vom Pik holten. Da es heute sehr windig war, so hatten wir blos die Gebete der Englischen mit ihren bestimmten Schriftabschnitten und zwar in der ersten Kajüte. Der Wind war ganz zu unserer unsern Gunsten und so stark, daß wir jede Stunde ungefähr 2 deutsche Meilen machten.
( 20 ) Den 3ten Juli 1838.
Heute ging die Sonne durch unsern Zenith
(31) und wird uns von jetzt an im Norden stehen. Ob wir sie je wieder in der alten wohlbekannten Stellung im Süden sehen werden, ist wohl sehr die Frage.