Tagebuch Adelaide
August 1839 - Oktober 1839
In der Unterhaltung, die ich über [den] jetzt erwähnten Gegenstand mit Wauwitpinna spät in der Nacht hatte, erzählte er mir wunderbare Geschichten über Nganno, seinen Sohn Gurltatacko und seine Landsleute. Gurtaltacko wurde ermordet; darum reisete Nganno weit und breit umher, die oder den Mörder aufzusuchen; auf diesen Reisen gab er den Orten des Landes die Namen, welche sie jetzt haben. Als Nganno die Mörder gefunden und umgebracht [hatte], ging er nach Hause zurück, seine Landsleute aber ergriffen bei seinem Anblick solchen Schrecken, daß sie alle ins Meer sprangen und zu Meergeschöpfen verwandelt wurden. Er sagte zwar, sie sollten das nicht thun, allein sie antworteten bezugsweise, der eine, ich bin ein Haifisch, der andere, ich bin ein Wallfisch und so weiter. Zuletzt ward auch ( 107 ) Ngarro selbst ein Meerungeheuer.

Die Sprache, welche Wauwitpinna in den Reden der eingeführten Personen gebrauchte, wich von der jetzigen ab, und war nach seiner Aussage die Sprache der Munaana (Vorfahren). Übrigens ist diese Geschichte noch lange nicht ganz verstanden, daher der Mangel an Zusammenhang.

Den 22ten August 1839.
Ich sprach [mit] dem Gouverneur heute über die Anordnungen, welche er für meine Niederlassung in Wirramu treffen zu wollen versprochen hatte, und war beschämt zu erfahren, daß er eifriger in der Sache gewesen [war], als ich selbst, indem er schon Befehl gegeben [hatte], mir ein Haus zu bauen zum vorläufigen Behelf. Dies war mir um so lieber, als mir dadurch jede Wahl hinsichtlich des Ortes meiner Niederlassung abgeschnitten wurde, die mir sonst viel Unruhe verursacht haben würde.

Wie wunderbar ist der Rath des Herrn bei dieser Sache gewesen, aber wie herrlich hat er sie bis hierher geführt! Bürgschaft genug, daß er sie auch herrlich hinaus, zu einem guten Ende führen wird. Kaum durfte ich bei meiner Ankunft in diesem Land hoffen, mich in Adelaide kümmerlich zu erhalten, aber er hat Mittel und Wege gefunden, auch ohne ( 108 ) Mangel meinen Fuß weiter zu setzen und ein neues Feld, das zur Ernte reif ist, für das Evangelium in Beschlag zu nehmen. Wenn ich mich nicht selbst täusche, so muß ich mit Schaam und Reue bekennen, daß ich wenigstens noch nicht sobald zur Niederlassung in Wirramu bereit gewesen sein würde, allein der Herr wußte gleichwie die Mittel, so auch die Niederlassung dazu zu finden und herbei zu führen, der Name des Herrn sei gelobt.

Gegen 4 oder 5 Uhr Nachmittags hatte ich einen Besuch von Herrn Fiedler, mein Herz klopfte gewaltig, wie ich seiner ansichtig wurde, glaubend, daß ein besonderer Grund zu diesem Besuche bei ihm vorhanden sei, allein er erwähnte und verrieth auch in seinem ganzen Benehmen nichts, woraus ich hätte schließen können, daß er um den Briefwechsel zwischen mir und Bertha wisse. Hätte ich Berthas Erlaubniß gehabt, ich hätte ihm meine Wünsche in Betreff ihrer offenbart.

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