Fünf Tage mit den Eingeborenen im Busch.
( 124 ) Den 9ten September 1839.
Gestern hatte sich ein Haufen von etwa 30 - 40 Eingeborenen in den Busch begeben, begleitet von ihren europäischen Hunden, um Känguru zu jagen. Längst hatte ich gewünscht, das Leben und Treiben der Eingeborenen in der freien Natur auf einige Tage zu beobachten, überzeugt, daß dies nicht allein zur näheren Einsicht in ihr ganzes Wesen dienlich, sondern auch die beste Übung in ihrer Sprache sein würde. Darum war mir die Gelegenheit sehr willkommen, welche mir heute zwei nachziehende junge Eingeborene, Tuitpurro und Kudna Ipiti, darboten, diesen meinen Wunsch auszuführen; und nicht minder lieb war es mir, daß Br. Teichelmann sich entschloß, mitzugehen.
Meine ganze Ausrüstung zu dieser Ausflucht bestand in einer wollenen Decke, etwas Thee, Zwieback und Salz; das Übrige sollte die Jagd uns liefern. Und hierin täuschten wir uns nicht, denn etwa drei deutsche Meilen von der Stadt fanden wir mehrere von dem Haufen, der gestern aufgebrochen [war], schon mit der Zubereitung eines eben gejagten Känguru beschäftigt. Die Art, wie die Eingeborenen ein Känguru genießbar machen, ist bemerkenswerth und mag darum hier eine Stelle finden:
"Sobald die Beute erlegt ist, wird in der Nähe ein zum Schmoren
passender Ort gesucht, der trocken sein, sowie Holz und Steine darbieten muß; Dann trägt man das Thier dazu und der Geschickteste schickt sich an, es abzuhäuten bis auf den Kopf und den größeren spitzen Theil des Schwanzes, welcher abgeschnitten und im Feuer abgesengt wird, während ( 125 ) deß ein anderer ein etwa 1 1/2 Fuß tiefes Loch in die Erde gräbt, ein dritter kleine Steine und ein vierter Holz holt, und wenn das Loch fertig [ist], ein Feuer in demselben anmacht, in welchem die Steine glühend gemacht werden. Wenn das Feuer ausgebrannt ist, hat der Metzger schon das Thier aus geweidet, die Beine und Schenkel abgeschnitten und das dicke Fleisch der Keule dreimal aufgeschlitzt, während welches letztern ein anderer die größern Gedärme reinigt und von dem in der Brusthöhle sich ansammelnden Blute eine Wurst gemacht hat. Nachdem dies geschehen [ist], werden die Steine aus der Glut gezogen, und die kleineren theils in die Brust- und Bauchhöhle, theils in die aufgeschlitzten Schenkel gesteckt, vermischt mit dem Laub des kleinen Gummibaumes zur Würze. Zweige von demselben Baume werden nun sowohl auf die Kohlen unmittelbar unter, als auf das Känguru gelagert; in die oben liegenden Zweige werden dann die Beine, der Schwanz, die Wurst samt der edlen Theile der Eingeweide gesteckt und das Ganze darauf mit glühenden Steinen bedeckt. Während dessen hat Einer ein Stück Rinde von einem benachbarten Baume abgelöst, groß genug, um das Känguru vom Kopf bis zum Schwanz zu bedecken, welches auf den Braten gelegt wird. Die Lücken zwischen der Rinde und dem Rande des Loches werden nun mit Erde angefüllt, so daß keine Luft