Tagebuch Adelaide
Oktober 1839 - Januar 1840
Hand darauf gegeben, daß sie seine werden und bleiben wolle. Vor der Untersuchung, der sie nächsten Donnerstag, am Reformationsfeste, sich unterziehen muß, fürchte sie sich, fest überzeugt, daß Gott die Unschuld nicht verlassen werde; so unangenehm ihr selbige sonst auch sei. Meine Nachricht, daß ich vorhätte, die Regierung um Beförderung unseres Zeltes und einiger andrer Sachen nach Encounter Bay zu ersuchen und dann dort hin zu gehen, machte sie ganz bestürzt, doch widerrieth sie mir mein Vorhaben keines Weges. Der Gedanke, daß Schlinke, wenn er seine Klage nicht durchführen könne, ihr Abbitte thun solle, mißfiel ihrer Bescheidenheit; wie wenig sie sich aber sonst fürchtet und wie rein folglich ihr Gewissen sei, geht daraus hervor, daß sie gestern zu Schlinke gesagt, sie hätte gewünscht, daß Schlinke zu ihr käme, damit sie eine Gelegenheit hätte, mit ihm zu reden. Die liebe Seele litt sehr große Schmerzen an zweien Fingern, in denen sie Nagelgeschwüre hat. Sie hatte Abends etwas zum Ziehen aufgelegt, was sie so peinigte, daß sie unwillkührlich in laute Klage ausbrach. --

Ich war beim Herrn Pastor und sprach zuerst mit ihm über Krummnow, und dann über die bevorstehende Untersuchung; ich sagte, wenn die Beklagte im Fall der Überweise [Antrag / Akte, die einer anderen Person / Stelle zu Bearbeitung übergeben wurde] der Kirchenbuße(158) anheim fiel, so müßte ein gleiches vom Kläger gelten, sollte er seine Klage nicht beweisen können, womit er über- ( 159 ) einstimmte. Er sagte, die Sache sei ihm sehr unangenehm, und er wünsche nichts mehr, als daß er gerecht sein möge, daß er mit dem Herrn Gevatter Fiedler auf solchem Fuße stände, daß er ihm sehr ungern eine Schuld beimessen werde. Übrigens schien er zu glauben, daß Schlinke zu dem Geständnisse kommen müsse, er habe keine Gewißheit und folglich keinen Grund zur Klage gehabt. Herr Fiedler sagte, es verstände sich von selbst, daß Schlinke Abbitte thun müsse, weil ohne das keine Versöhnung statt finden könne. Herrn Fiedlers Plan, erst die Schlinkes, dann Bertha reden zu lassen und sie darauf beide abtreten zu heißen, gefiel mir außerordentlich, weil der letzteren dadurch vielleicht eine Verlegenheit erspart wird. Ich blieb auch diese Mal in Klemzig über Nacht.

Den 29ten October 1839.
Der Eingeborene Nanto Kartammeru*, Karnu Warinja entschloß sich heute, bei mir zu wohnen. Er ist ein junger Mensch von vielleicht 22 - 24 Jahren, sehr lebhaft und vor andern zu manchem geschickt, aber auch sehr wild und eigensinnig; doch hoffe ich ihn eher als jüngere Knaben bei mir zu behalten. Er macht allerlei in meiner Wirtschaft.

Den 30ten October 1839.
Diesen Morgen kamen einige Eingeborene zurück, als ich gerade auf ihrer Lagerstätte war. Der eine kam ganz nackt und voll Zorns und mit einer Keule in der Hand, womit er seine Frau bearbeiten wollte, weil ( 160 ) sie ihn verlassen [hatte] und vor ihm nach Adelaide gekommen war. Aber ein anderer Eingeborener, Kudmoburka*, umfaßte ihn von hinten und hielt ihn fest, bis sich sein Zorn gelegt und er müde war. Übrigen scheint mir bei dem Halten die Absicht zu herrschen,

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