Januar 1840 - Juni 1840
Den 1ten Januar 1840.
Da wir heute in Adelaide keinen Gottesdienst hatten, so ging ich ziemlich früh nach Klemzig, hoffend, Bertha allein zu Hause zu treffen, worin ich mich auch nicht täuschte. Sie erzählte mir, daß ihr Vater den Morgen für uns so gebetet hätte, daß es sie zu Thränen gerührt habe. Gegen Abend hatten wir einen Spaziergang rund um das Dorf, auf dem wir uns angenehm unterhielten und uns an einer Stelle auf den grünen Rasen setzten. Ich ging früh zu Hause, weil Bertha, die überhaupt in christlicher Hinsicht seit einiger [Zeit] viel lebendiger geworden ist, gern in die Abendstunde gehen wollte, und es sehr finster zu werden drohte. Mit großer Gewissenhaftigkeit und Einfalt sagte Bertha, sie glaube, es wäre sündlich, wenn sie den Zug, den sie nach der Abendstunde fühle, unterdrücken wollte.
Hilf uns, O Gott und Vater, daß mit dem neuen Jahre unsere Liebe zu Dir und gegen einander neue Kraft, neues Leben und frischen Ernst bekommen möge. Amen.
( 212 ) Den 2ten Januar 1840.
Wie ich höre, geht leider Pastor Kavel's Separatismus immer weiter, indem er bei der Taufe von dem Kinde eines gewissen Milde
(192), Bauer als Taufzeuge abgewiesen, und die Frau Schlinke [und] auch [Frau] Kleinschmidt zu derselben Ehre [für] unfähig erklärt hat.
Ach Gott vom Himmel, sieh darein und laß Dich deß erbarmen.
Den 3ten Januar 1840.
Die Eingeborenen, unter denen es schon einige Tage her etwas schwül gewesen [war], waren heute sehr aufgeregt, indem die Wirraleute den unseren gedroht [hatten], sie wollten sie bezaubern (
narroni*). Ich sprach zu vielen stark dagegen, so daß mehrere, unter andren Mullawirrabekka, ganz aufgebracht wurde. Mehrere schienen indeß doch in ihrem Glauben an die Kraft des Zaubers ungewiß zu werden, und mir bei zu stimmen, daß ich aus der Schrift (paper) das Gegentheil wisse.
Einen 3 Bogen starken Brief an meinen Bruder Adam geschrieben.
Inhalt:
Tadel über seine Undeutschheit, Tadel über seine Namensänderung. Meine Ansicht über Deutschland, Über die Auswanderung unserer Geschwister und daß ich Friedrich nicht dazu rathen könne, Unsere dogmatische und kirchliche Verschiedenheit, Zwist zwischen mir und Br. Teichelmann und meiner Niederlassung in Encounter Bay. Meine Verlobung und Schilderung meiner Braut, die Schlinkesche Geschichte