Tagebuch Port Lincoln
September 1840 – Januar 1845
kleineren, wo wir uns zwei Gänse fingen, aber mehrere Robben von beiden Geschlechtern sahen; ich, der ich diese Thiere zu ersten Male in meinem Leben sah, wunderte mich nicht wenig über ihre unerwartete Größe und Fettigkeit. Von hier segelten wir mit starkem Winde nach der Bolingbrokespitze(039), wo wir Dr. Harvey mit seinem Boot antrafen. Dieser lud uns ein, noch den Nachmittag mit ihm nach der Tumbyinsel(040) zu segeln, allein der Capitain, der die jungen Gänse, welche von der Nässe und Gedrängtheit im Boot viel zu leiden hatten, je eher je lieber ans Land bringen wollte, segelte die Bai diesseits des genannten Cap's Bolingbroke und jenseits der Louthbai(041) hinauf. Am Ende dieser Bay sahen wir nicht weit vom Ufer ein[en] starken Rauch, und ich freute mich schon der Gelegenheit, die Eingeborenen endlich zu sehen zu kriegen, allein es mochte keiner die drei Meilen mit mir gehen, und nachdem wir gegessen [hatten], war es so spät, daß ich mir allein zu gehen, nicht traute.

( 020 ) Den 26ten September 1840. Sonnabend.
Wir segelten früh Morgens nach der Bucht, die der Tumbyinsel gegenüber liegt. Sobald wir ausgestiegen [waren] gingen der Capitain, ich und der junge Smith in den Busch, jene, um Känguru zu jagen, ich, um Eingeborene an[zu]treffen. Von beiden sahen wir indeß blos Spuren, und an einer Stelle eine beträchtliche Anzahl alter Hütten. Da wir hier kein frisch[es] Wasser fanden, und der mitgenommene Vorrath schnell zu Ende ging, so ward der Capitain sehr für seine Leute, die bei dem anstrengenden Rudern viel Wasser brauchten, besorgt und beschloß, den nächsten Morgen so früh als möglich zurück zu gehen.

Den 27ten September 1840. Sonntag.
Kaum daß der Tag graute, so waren wir im Boote, landeten an der steilen Tumbyinsel, um sie rasch zu umgehen und waren gegen Mittag wieder bei unseren Gänsen. Der zurück gebliebene Bursche sagte, er habe keine Spur von Ureinwohnern in der Nähe wahrgenommen. Wir aßen nun rasch etwas, theilten und schifften unsere Gänse ein und fuhren dann mit gutem Winde heimwärts, daß wir mit Sonnenuntergang in Happy Valley(042) (043) ans Land gingen.

( 021 ) Den 1ten October 1840.
Ein Mann Namens Hugh Joh[n]ston(044) von der sc[h]ottischen Kirche ersuchte mich, sein Kind zu taufen. Ich machte ihm bemerklich, daß ich zu einer anderen Kirche gehörte und das Kind nur nach Vorschrift und Form der lutherischen Kirche taufen [dürfe]. Auf sein Ersuchen [hin] machte ich ihn mit dem Taufformular unserer Kirche bekannt, und da er nichts dagegen einzuwenden hatte, so taufte ich heute sein Kind in Gottes Namen und in Gegenwart von drei Taufzeugen, nachdem ich unser Taufformular zuvor ins Englische übersetzt [hatte].

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