Tagebuch Port Lincoln
September 1840 – Januar 1845
aber etwa 3 Meilen diesseits sahen wir ein Feuer neben einer Wasserlache und in dem letzteren ganz frische Spuren von Eingeborenen. Auf Whites Station theilten wir uns, in dem ein Haufen nach dem ( 024 ) erwähnten Feuer umkehrte, und ich unter einem andren Haufen nach Mount Gawler(054) ging, um uns nach etwaigen Feuern umzusehen. Da wir nichts sahen, kehrten wir wieder um und ich schlief bei dem Landmesser Newenham(055).

Den 7ten October 1840. [Das Datum ist wiederholt]
Den Nächsten Morgen um 3 Uhr brachen wir von Newenham's Station(056) auf, riefen Herrn Smith ab, der bei Herrn White übernachtete, und zogen dann nach der Stelle, wo die andre Abtheilung übernachtet hatte. Allein vor der Dunkelheit der Nacht und später wegen der Dichtigkeit des Nebels konnten wir den Weg nicht finden und schätzten uns glücklich, daß wir zuletzt auf einen befahrenen Weg kamen, der uns zu White zurück brachte, nachdem wir wenigstens 4 Stunden vergeblich [unterwegs] waren. In der Vermuthung, daß die schuldigen Eingeborenen nach Coffinbai gegangen seien, ward beschlossen, daß alle die keine Pferde hätten, nach Port Lincoln zurückkehren sollten, während Smith und McAllister(057) verstärkt von White und Newenham am folgenden Tage nach der eben genannten Bai weiter wollten. Ich wäre gern mitgegangen und wollte mich mit dem großen Pferde wagen, das Smith zu diesem Ritte für untauglich erklärte, allein Eduard Hawson(058) bestand darauf und wolle selber mit, also gab ( 025 ) ich auf und kehrte mit Herrn Barnad(059) nach Port Lincoln zurück.

Den 8ten October 1840.
Ich schrieb mit Dr. Harvey's Boote einen Brief an die Brüder in Adelaide, worin ich sie über die vorgefallene Mordthat benachrichtigte. Während ich noch damit beschäftigt war, Abends sechs Uhr, kam der junge Smith zu mir mit der Nachricht, daß 9 Eingeborene in der Niederlassung angekommen seien. Kurz darauf kam auch einer der Polizeidiener mit gleicher Nachricht und ich ging alsbald, um sie zu sehen. Sie waren alle erwachsene Männer, unter einem Zelte vor Jones(060) Hause gelagert. Es war schon finster, so daß ich sie nicht wohl beschauen konnte, doch bemerkte ich bei dem Schein des Feuers, daß einige unter ihnen ziemlich alt waren, daß sie beschnitten sind, lange Bärte tragen, deren Spitzen in einem Zopf zusammengebunden und mit grauem Pelze umwunden waren, und daß keiner einen Fetzen Kleidung an sich hatte. Ich redete sie in der Adelaider Sprache an, konnte mich indeß nicht verständlich machen. Einer unter ihnen, Boby(061), sprach einige Brocken englisch und fragte mich nach meinem Namen, und fast alle sagten mir ihre ursprünglichen Namen. Ich fand folgende Wörter bei ihnen, die auch von den Eingeborenen in Adelaide gebraucht werden: Yurre - Ohr; Mena - Auge; Mudla - Nase; Metye - Name; Ngai - ich; (Ngaitye - mein?), Winniwinni - geh weg. Das ( 026 ) Wort Kaitya schien mir Kind (Tukatya) zu bedeuten, weil einer mich fragte, ob Gottfried mein Sohn sei, und dabei dieses Wort gebrauchte. Wenn so, dann nahm er Gottfried an Kindes Statt an. Ich lud den gesprächigsten ein, zu mir zu kommen, er deutet mir indeß an, daß er müde sei, und morgen kommen wolle, zu

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