Tagebuch Port Lincoln
September 1840 – Januar 1845
Herr Newenham; wir gingen dann alle zu Bennet und tranken Thee, wobei Newenham erzählte, daß er Dr. Harvey's Brief an Smith habe vorlesen hören und daß man sich über den Inhalt desselben sehr gewundert habe. Ich ging mit Newenham zurück nach dem Boote und ( 041 ) unterwegs sagte er mir, daß der Magistrat auch meinen Brief erwähnt und bemerkt habe, ich sei im Irrthum, wenn ich meinte, daß bei der neulichen Untersuchung auch die Frage hätte sollen untersucht werden, ob die Eingeborenen unschuldig gewesen seien oder nicht.

Den 6ten November 1840.
Ich ritt Winters Pferd, mit dem Newenham gestern heraus gekommen war, heute wieder zurück, in der Hoffnung, Eingeborene anzutreffen, während Dr. Harvey mit seinem Boote zurück ging. Diesseits des Flusses Tod, am Fuße der Berge, sah ich ein Feuer, fand aber, als ich darauf zu ritt, keine menschliche Seele dabei, auch bekam ich keine Antwort auf mein lautes Rufen. Das Feuer war im trockenen Grase und schien erst kürzlich angezündet worden zu sein.

Den 7ten November 1840. Sonnabend.
Überwältigt von dem Gefühle meiner Unthätigkeit und folglich gänzlicher Überflüssigkeit in der Welt, beschloß ich, heute mit Gottfried in den Busch zu gehen, und zwar nach der Spitze der Boston Bay, wo man gestern Feuer gesehen haben wollte. Um 8 Uhr brachen wir auf und viele Meilen waren wir schon gegangen, ohne ein Feuer zu sehen, so daß ich fast schon die Hoffnung aufgab, als auf einmal auf der andern Seite der Bai ein frischer Rauch aufstieg. Jetzt waren wir unseres Erfolges gewiß, und da Gottfried auf meine Frage, ob er sich fürchte, "Nein" antwortete, hinzusetzend, sie würden ja doch wohl nicht tödten, so gingen [wir] ziemlich getrosten Muthes darauf zu, dem Schutze Gottes uns befehlend.

( 042 ) Etwa 1 Meile diesseits des Feuers fanden wir Spuren von Erwachsenen und Kindern und nun gingen wir aus dem Gebüsch auf den Dünen, dicht an den Strand, um nicht zu plötzlich auf die Schwarzen zu kommen. Wir waren nicht weit gegangen, als ich eine Stimme hörte, laut rufend, und zugleich sah ich einen Menschen gehen. Jetzt fing ich an zu winken, und Gottfried sagte, daß jene auch winkten, und daß sie gelaufen kämen. Ich fragte ihn, ob sie Waffen hätten, allein dies konnte er so wenig sehen, als ich, weil sie vom Gebüsch bis an den Kopf versteckt waren. Dies waren Augenblicke großer Ängstlichkeit. Allein bald kamen zwei junge Leute ohne alle Waffen an uns heran, uns durch Winke zu verstehen gebend, nicht näher zu kommen; diesen folgten mehrere, so daß bald ein Dutzend um uns herum war. Ich gab ihnen Aschkuchen und Zwieback und lud sie ein, mit mir nach Port Lincoln zu gehen. Ihrer fünf verstanden sich dazu, mit dem Ersuchen, daß ich sie im Boote wieder zurückbrächte. Sie waren ganz furchtlos und so gefällig, daß sie mein Felleisen [lederner Rucksack] trugen. Wir gingen gleich und rasch zurück, ohne uns zu ruhen oder unsern Hunger und Durst zu stillen, eine Strecke von 25 Meilen, so daß Gottfried ganz erschöpft war. Nachdem wir uns an der Quelle in Happy Valley mit frischem Wasser und bei Dr. Harvey mit etwas Lebensmitteln gelabt [hatten], gingen ( 043 ) wir nach meinem Hause, die

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