Tagebuch Port Lincoln
September 1840 – Januar 1845
zu Gesicht zu bekommen erwarteten, ging einer von den unsern voran, und erhob ein helles Geschrei, als er sie erblickte. Augenblicklich sprangen alle, etwa dreißig an der Zahl, auf, die Weiber und Kinder und auch einige Männer, um zu fliehen, während die übrigen rasch nach ihren Speeren griffen und auf uns zu liefen. Jedoch ließen sie die Speere fallen, als sie sahen, daß wir sie nicht angriffen, und jeder rief mit ängstlich starker Stimme und ausgestreckten Armen: Ngai malpu makka, aimakka ( 066 ) "Ich bin nicht der Mörder, ich nicht"- Es waren ihrer etwa 8 - 10 Männer und zwei steinalte abgemagerte Weiber, die ununterbrochen aus vollem Halse schrien, bis Yenbalta ihnen sagte, sie hätten sich nicht zu fürchten, der und der (hier nannte er einen von den drei Eingeborenen beim Namen, die wir gestern angetroffen [hatten]), hätte uns her gebracht, und ihnen gebot, weg zu gehen. Herr Newenham ritt zu ihnen heran, was sie zuerst zu schrecken schien, indeß ließen sie sich beruhigen, als Yenbalta zu ihnen ging und Newenham ihnen Zwieback gab. Wir ritten dann alle heran uns wundernd über die ganz nackten abgelebten Gestalten. Die Eingeborenen behaupteten, daß die Mörder Mangilti und Mitalta weit weg seien, auf Turrudu zeigend, und wollten nicht zugeben, daß sie unter den Geflohenen seien, was ich stark vermuthete und ihnen daher auf den Kopf [zu] sagte. Ich forderte Yenbalta dann auf, uns nach dem Orte zu führen, wo die Mörder sich aufhielten, was er auch anfangs einwilligte, aber später klagte er, daß ihm die Beine weh thäten.

( 067 ) Von dem Orte, wo die Eingeborenen gelagert waren, ritten wir bis an die Seeküste in der Richtung, in der die Übrigen entflohen waren, allein wir sahen nichts, als ein etwa zwei Jahre altes Kind, welches weinend hinter einem Busch lag und das die Mutter in der Hast der Flucht dahin geworfen zu haben schien. Yenbalta sagte, es sei sein Kind. Den letzgenannten Mann hatte ich früher schon in Port Lincoln gesehen und ihn wegen seines offenen Wesens besonders lieb gewonnen. Bei dieser Gelegenheit konnte ich nicht umhin, ihn zu bewundern, denn nicht nur war er der Hauptwortführer, sondern er war auch der erste, der nach seiner Waffe griff und es wagte, auf uns zu zu kommen, wahrlich ein Beweis von Unerschrockenheit. Ich schlug vor, an diesem Orte zu übernachten, aber die mehrsten Stimmen waren für den Rückzug nach dem Orte, wo Muntalta uns verlassen hatte. Unsere Eingeborenen und einer von denen, die wir hier antrafen, gingen mit uns. Obwohl so der unmittelbare Zweck unseres Zuges nicht erreicht wurde, so glaube ich doch, ( 068 ) daß die Eingeborenen heilsamlich erschrocken sind, wenn sie sehen, daß die Weißen sie selbst in den abgelegensten Winkeln aufsuchen; dieser Ort nämlich, genannt Korlo, war eine schmale Halbinsel, am nordwestlichen Ende von Coffin Bay.

Den 13ten Januar 1841.
Herr Winter fragte mich ob ich dächte, oder die Eingeborenen zu verstehen gäben, daß in Kalinyalla, dem Orte, wo man sie auf einem früheren Zuge angetroffen [hätte], diesseits der Sandhügel, ein Trupp sich aufhalten möchte, und da unsere Begleiter meinten, daß dies der Fall [sei], auch außerdem ein Feuer in der Richtung sichtbar war, so ritten wir dahin. Mir war dies lieb, indem es mir Gelegenheit gab,

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