Tagebuch Port Lincoln
September 1840 – Januar 1845
Den 24ten Januar 1841.
Obwohl man Feuer sah in nicht zu großer Ferne, so mochte ich mich doch an des Herren Tage nicht abmüden.

Den 25ten Januar 1841. Sonnabend.
Die Herren White gingen nach ihrer Station, wo die Eingeborenen am Sonnabend gesehen worden waren. Hoffend, daß sie noch da sein möchten, ging ich mit ihnen. Einige Meilen jenseits war ein großes Feuer, aber es war so heiß, daß ich nicht im Stande war, hinzu gehen.

( 071 ) Den 26ten Januar 1841. Sonntag.
Heute ging ich zurück und hörte, als ich nach Hause kam, zu meinem großen Leidwesen, daß Yutalta, Ngulgalta und Milyalta am Sonntag den 24ten bei mir gewesen, und am folgenden Tage erst wieder fort gegangen seien.

Den 1ten Februar 1841.
Yutalta und Ngulgalta kamen heute aufs neue in die Stadt zu mir und blieben bis zum 14ten des Monats. Während dieser verhältnißmäßig langen Zeit wurden sie sehr vertraulich, ja zuletzt zudringlich und übermüthig. Sie arbeiteten auf der andren Seite ziemlich gut, manchen Tag gruben sie mehr, als ich gegraben haben würde. Dr. Harvey ließ mir 40 Pfund Reis und 10 Pfund Zucker auf Rechnung der Regierung für sie verabfolgen, so daß es ihnen an Lebensmitteln nicht fehlte.

Den 15ten Februar 1841. Sonnabend.
Es kam nach langem Erwarten endlich ein kleines Schiff, die "Mary Anne" von Adelaide, aber ohne Briefsack oder Zeitungen. Newenham und Friedrich White kamen in die Stadt, ersterer sagte mir, daß die Eingeborenen ihm eine Mußkette [Muskete] gestohlen hätten. nach einigen Tagen seien sie wieder gekommen, aber er habe sie sich nähern lassen wollen, worauf nach weniger Zeit sie die Mußkette zurück gebracht hätten.

( 072 ) Den 16ten Februar 1841. Sonntag.
Es that mir unendlich wehe, in Erfahrung zu bringen, daß die Eingeborenen gestern Abend den Magistrat Herrn Matthew Smith um eine Menge Kartoffeln und mehrere Ellen Osnabrücker grobe Leinwand; sowie Herrn Thaen(098) um einen Rock und Reisesack bestohlen haben. Die Frau Rusch hatte 6 Männer ganz nackt und mit Speeren bewaffnet über die Hügel kommen sehen. Sie seien zu ihr gekommen und hätten Zwieback und dergleichen gebettelt, worauf sie die Thür vor ihnen zugemacht. Dann seien sie nach Smiths gegangen und eine Zeit lang herum gegangen und durch Fenster gekuckt. Da sie Niemand zu Hause und die Fenster offen fanden, so stiegen sie ein, und nahmen die schon erwähnten Sachen, alles in der Stille durch Zeichen und so weiter abmachend. Nachdem sie genommen, was sie wünschten, seien sie nach der See wieder hinunter gegangen. --

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