Tagebuch Port Lincoln
September 1840 – Januar 1845
( 105 ) Den 29ten März 1842.
Diesen Vormittag kam die traurige Nachricht nach der Stadt, daß Herr Biddle nebst [Herrn] Fastin(g)s und Frau Stubbs gestern von den Eingeborenen ermordet seien und daß Stubbs selber für todt liegen gelassen, aber wieder zu sich gekommen sei. In Folge dieser Nachricht ritt ich gegen 3 Uhr Nachmittags mit Herrn Bishop und Anderen nach Biddles Station und von da nach Pillaworta zu Herrn Driver. Den alten Tubbs hatte Herr White diesen Morgen schon nach seiner Station Tallala geholt und die Todten auf Betten gelegt und zugedeckt, allein nach des Schäfers Aussage hätten die Schwarzen im Laufe des Tages die Decken weggeholt und dem alten Stubbs eine frische Wunde am Kopfe beigebracht und zwar mit einem Handbeile.

Der Polizeisergeant, der halb betrunken war, wurde sehr ausfallend gegen mich, so daß er äußerte, es wäre besser, wenn ich nicht in der Ansiedlung wäre.

( 106 ) Den 30ten März 1842.
Driver, Bishop und ich selbst ritten über Tallala nach der Stadt zurück. Am ersteren Orte fanden wir den armen Stubbs mit verbundenen Kopfe und überhaupt sehr schwach. Er sagte in seinem beschworenen Zeugniß aus, daß die Eingeborenen am Tage des Mordes zwei Mal gekommen seien; das erste Mal hätten sie fünfzehn Speere nach Fastin(g)s geworfen, ohne ihn zu treffen, worauf dieser ihnen ein Laib Brot zugeworfen und Biddle ihnen erlaubt hätte, Kartoffeln auszugraben, welche sie nicht weit vom Hause gebraten hätten. Etwa eine Stunde darauf seien sie aufs neue wieder gekommen und hätten Fastin(g)s, der abermals zu ihnen aus der Hütte gegangen sei, in die Lende gespeert. Darauf sei dieser in die Hütte gelaufen und Biddle habe eine Pistole abgefeuert, ohne zu treffen, dasselbe sei der Fall gewesen mit seiner Flinte, die in Stücken gekommen sei, so daß sie nicht wieder geladen werden konnte, und Fastin(g)s Flinte habe nicht abgehen wollen. Nun sei er selbst heraus gegangen und habe mit seiner Doppelflinte zwei Schwarze ( 107 ) dicht bei der Hütte niedergeschossen, worauf er wieder hereingelaufen sei. Da nun wieder keine Gewehre geladen gewesen [waren], so hätten die Eingeborenen die Hütte umringt, an einem Ende das leinene Dach abgenommen und sie Einen nach dem Andren niedergespeert. Zuerst sei Biddle gefallen, dann er selbst ohne jedoch alle Besinnung zu verlieren. Fastin(g)s, der von Anfang an unthätig in einer Ecke gestanden [war], hätten sie wiederholt mit einer Heugabel durchbohrt, so daß er schreckliche Schmerzen ausgestanden und Stubbs angefleht habe, ihn zu erschießen. Zuletzt hätten die Schwarzen noch die alte Mutter Tubbs, die sich unter dem Bette versteckt hatte, gefunden und mit der Heugabel getödtet, obwohl sie einen ihnen gut bekannten und oft von ihnen gespeisten Eingeborenen Namens Little Jemy (Ngarbi) lange um ihr Leben gebeten immer ausrufend: "O Jemy! O Jemy!!

Am Abend als wir nach Hause kamen, war man gerade mit der Leichenbestattung fertig, so daß wir gleich dieselben zu Grabe zu begleiten hatten. Als der Beerdigungsgottesdienst vorüber war, fragte mich Herr Driver, ( 108 ) ob ich was

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