Den 8ten Juni 1838.
schrieb er ohne mein Wissen einen Brief nach Dresden, und als ich ihn bat, doch wenigstens von mir zu grüßen, erklärte er ganz einfach, er sei schon zugesiegelt. Er schien sich auch zu wundern, als ich mein Befremden über ein solches unbrüderliches Verfahren ausdrückte.
O, daß die Gesellschaft bald Brüder nachsenden wollte, wenn aus keinem anderen Grund, aus dem einen, daß ich eine Menschenseele um mich haben möchte, der [ich] meinen Busen zuweilen ausschütten könnte.
[Daß] Zwischen mir und Teichelmann nie ein recht zutraulicher geistiger Verkehr stattfindet, das habe ich hinreichend erfahren, gegenseitiges Mißtrauen erfüllt beide Theile, und auf seiner Seite ist eine Willkühr und Herrschsucht, der ich mich unmöglich immer unterwerfen kann, ohne mich weiblicher und zuweilen nach meiner
Überzeugung selbst sündlicher Wünsche schuld zu machen. Sein Urtheil soll immer das einzig richtige sein, und jede Abweichung in der Meinung wird aufs äußerste verfolgt, fast möchte ich den Worten des Psalmes
(17) auf ihn anwenden:
"Was sie reden, das muß vom Himmel herab geredet sein, was sie sagen, das soll gelten auf Erden".
Ach, daß er es fühlte, welche tiefe Wunde er durch seine Sturheit oft schlägt, und wie sehr durch Erregung von Zwietracht die gute Sache geschadet wird.
Den 11ten Juni 1838.
Obschon der Wind am vorhergehenden Tage so ungünstig war, daß wir fürchteten, noch länger im Hafen liegen bleiben zu müssen, so war er heute Morgen doch ganz zu unserer Gunst. Am Mittag wurde der Anker gelichtet und bald war Plymouth aus dem Gesicht verloren. Als wir bey einem hervorspringenden Puncte des Ufers vorbeisegelten, wo der Lootse uns verließ, stieg alles, Reisende sowohl als Matrosen, auf erhöhte Gegenstände, um dem Vaterland Lebewohl zu
( 10 ) sagen; alle nahmen die Hüte ab, schwangen sie in der Luft und brachten ihrem guten alten England ein dreifaches rauschendes Hurrah. Innig konnte ich mich über solche Vaterlandsliebe [freuen], die alle Klassen des englischen Volkes beseelt, aber betrüben mußte ich mich, wenn ich mir mein theures Deutschland, wo solche Vaterlandsliebe fremd ist, oder doch wenigstens die Äußerung derselben, [dachte]. Der günstige Wind dauerte nur einen Tag, grade so lange, um uns dem Canal [nahe] zu bringen, von da an
ist er immer ungünstig gewesen.
Während dieser ganzen Zeit las ich die Erzählung [von John Williams
(18a)] der Missionsunternehmungen in den Südsee Inseln
(18b). Schon der Titel zeigt, daß dies Buch keines Weges vom kirchlichen Standpuncte aus geschrieben sei, indem es die Ausbreitung des Evangeliums als eine Unternehmung einer Gesellschaft ansieht, nicht als eine Aufgabe der ganzen Kirche. Indeß fand ich die Erzählung in vieler