Tagebuch Adelaide
Mai 1838 - September 1838
Hinsicht nicht nur unterhaltend, sondern auch zuweilen erbaulich und für einen Heidenboten mitunter höchst belehrend. Mein Wunsch beim Lesen des Buches war, daß meine Brüder in Dresden es besitzen möchten und daß man überhaupt dergleichen Erscheinungen mehr Aufmerksamkeit schenken möchte, weil sie wenigstens dazu dienen, unser Urtheil über die Ausbreitung des Christenthums in unserer Zeit zu berichtigen und die Zustände der Heiden in ihren verschiedenen Ländern zu erkunden. So leitete die in Rede stehende Erzählung meine Aufmerksamkeit auf [Neu-]Guinea, auf welchem auch einige Millionen Menschen ( 11 ) im heidnischen aber unabhängigen Zustand leben, ein vielversprechendes Feld für die Dresdener Gesellschaft.

All mein Lesen mußte indeß auf dem Vordeck geschehen, da in unserer Kajüte kein Licht und kein Raum ist; der letztere ist durch unsere Betten und Kisten so weit ausgefüllt, daß Teichelmann und ich uns kaum zu gleicher Zeit ankleiden können. Von eigentlichem Studieren kann mithin gar nicht die Rede sein.

Den 15ten Juni 1838.
Obwohl wir die südaustralische Grammatik [von Threlkeld](19), welche die Missionare im Wellington Thale geschrieben [haben], in London abgeschrieben hatten, so war es uns doch sehr erfreulich, daß uns Seine Excellenz, der Gouverneur, die seinige heute zum Studieren anbot, einerseits weil wir die günstige Gesinnung Seiner Excellenz daraus noch mehr erkannten, anderer Seits, weil etwas Gedrucktes sich viel besser lieset, als etwas Geschriebenes, namentlich bei solchen Büchern, wo viele Schemata vorkommen, wie in dem vorliegenden.

Den 16ten Juni 1838.
Am verflossenen Sonntage hatte Seine Excellenz beabsichtigt, uns bei Tische zu haben, da wir aber mehrere Stunden im Zwischendeck eher speisen, als die Reisenden in der Haupt-Kajüte, so kam seine Einladung an diesem Tage zu spät.

( 12 ) Statt dessen wurden wir heute eingeladen. Unsere Unterhaltung bezog [sich] natürlich auf das Land, zu dem wir eilen. Auffallender Weise äußerte Seine Excellenz im Laufe des Gespräches in Betreff der Ureinwohner, die beste Weise, sie zu bilden, wäre die, sie in die Nähe größerer Städte zu bringen. Es versteht sich, daß ich mich dagegen erklärte, auch Br. Teichelmann, in so fern durch die Verschmelzung der Ureinwohner mit den Europäern die Sprache der ersteren untergehen würde, und da Seine Excellenz und Herr Hall(20) dies für natürlich fanden, äußerte er, daß er alles thun würde, um des Volkes Sprache zu erhalten. Dies war mir von ihm unerwartet und verursachte mir nicht geringe Freude.

Auch sagte der Gouverneur, daß an [die] 20 Ureinwohner in Adelheid wären, die für Lohn arbeiteten und die wahrscheinlich etwas von der englischen Sprache gelernt hätten. Auf diese Leute hab ich in Gedanken mein Augenmerk schon gerichtet, als auf unsere künftigen Lehrer und als Schlüssel zu ihren Landsleuten.

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