Tagebuch Adelaide
Mai 1838 - September 1838
Arbeitslohn das man dort bezahlt, 10 Schilling am Tag, ferner daß Lasterhaftig- keit namentlich Trunksucht in ungeheuren Maaße daselbst herrsche.

Den 23ten Juni 1838.
Um sich eine Vorstellung zu machen, wie sehr wir bisher mit Gegenwind zu kämpfen gehabt [haben], kann die Bemerkung dienen, daß wir heute erst Lissabon gegenüber uns befanden; heute war der Wind so günstig, daß wir in jeder Stunde 1 1/2 [See-]Meilen auf unserem wahren Laufe zurücklegten.

( 15 ) Beim Lesen der unterm 20ten Juni erwähnten Aussagen fielen mir einige Stellen auf, die mir zu wichtig und für meine Jahre lang gehegte Ansicht zu sprachlos erschienen, als daß ich sie hier nicht bemerken sollte:

Herr Coates:(23) behauptete, daß Erfahrung und Geschichte beweisen, daß die Ausdehnung der weißen Bevölkerung zur Verminderung und almähligen Ausrottung der schwarzen Eingeborenen führe.

Herr Beecham:(24) Es sei denn, daß die ewige Gerechtigkeit selbst sich ändere, oder ich muß dabei bleiben, daß auch Besitznahme fremder Länder ohne Rücksicht auf ihre Bewohner wesentlich und sittlich unrecht ist, und daß so das engl. Colonisations-System auf einem Grundsatz der Ungerechtigkeit gegründet sei.

Herr Williams:(25) Bei der Ursache, das Christenthum unter einem Volk einzuführen, würde ich bei weitem lieber zu einem Land gehen, wo man nie einen Europäer gesehen hat, als zu einem Ort zu gehen, wo man Verkehr mit Europäern gehabt hat. Ich möchte sie zehn Mal lieber in ihrem wilden Zustand antreffen, als nachdem sie mit Europäern verkehrt haben.

Sind selbst die Engländer zu solchen Geständnissen gezwungen, so kann man uns ähnlicher Behauptung wohl nicht verargen, ohne in seine Grundsätze von Recht und Gerechtigkeit verschroben zu sein.

Den 24ten Juni 1838. Sonntag.
Wir hatten heute zweimal Gottesdienst, wie gewöhnlich las Teichelmann die Gebete und darauf Vormittag Herr Hall eine kurze Predigt, Nachmittag las ich die Predigt.

Den 28ten Juni 1838. Donnerstag.
Nachdem wir lange nichts als Himmel und Wasser gesehen [hatten], wurden wir heute von den steilen ( 16 ) Ufern der Insel Teneriffa(26) begrüßt. Die östliche Küste dieses Eilandes hat nur eine niedrige Stelle, nämlich wo die Stadt Santa Cruz(27) (sprich Kru) erbaut ist, wo wir anlegten, alles übrige ist ganz steil mit ganz kleinen Einschnitten, wo kleine niedliche Dörfer erbaut sind; vermuthlich

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