Tagebuch Adelaide
Mai 1838 - September 1838
beruht, der noch dazu heuchlerisch genug mit dem Namen von Gewissenhaftigkeit und ähnlich gestempelt wird. Ich fühle jetzt recht, wie mißlich es ist, sich zum Diener einer fremden Kirche herzugeben, außerdem, daß man ihre Schmach auf sich nimmt, ladet man sich noch eine Menge Verdachts und übler Nachrede auf.

( 22 ) Den 17ten Juli 1838.
Der heutige Tag war ein Tag des Verlust. Schon ehe wir aufgestanden [waren], waren zwei Hunde über Bord gegangen. Einen zwar hatte man als krank absichtlich ins Wasser geworfen, der [andere] aber, ein herrliches junges Thier, war ausgeglitten. Eine lange Zeit hat man ihn sehn nachschwimmen, und es zeigte sich beträchtliche Unzufriedenheit, daß man nichts zu seiner Rettung gethan hatte. Diese war um so größer, als man dieselbe Nachlässigkeit fürchtete, im Falle ein Mensch über Bord fallen sollte. Werde, fragte man, ein solcher Unglücklicher auch seinem Schicksal überlassen werden und würde man nichts unternehmen, um ihn zu retten. Der Capitain befahl nach diesem Vorgang, die Boote, welche mit allen möglichen Dingen angefüllt waren, in Bereitschaft zu setzen, damit sie nöthigen Falls sogleich gebraucht werden könnten. Gegen 12 Uhr ereignete sich ein neuer, freilich unbedeutender Unfall, nämlich die Mütze des zweiten Steuermannes ging hoch vom Mastbaum über Bord. Wir haben schon seit längeren Tag[en] kühlen starken Wind, aber leider ist er stets entgegen, so daß wir nur ganz geringe Fortschritte machen.

Den 21ten Juli 1838. Sonnabend. Sonnabend.
Da wir morgen[s] durch den Äquator(35) gingen, bei welcher Gelegenheit die Matrosen sich ein Vergnügen, das Neptunfest(36) genannt, zu machen pflegen, und dies, um die Sonntagsfeier nicht ( 23 ) zu stören, am folgenden Tage nicht geschehen konnte, so fand diese Feier heute statt. Jedoch fanden nicht die sonst vorkommenden Rohheiten dabei statt, sondern das ganze war mit einem Theerfaß abgemacht, welches die Matrosen in Brand steckten und dann über Bord warfen. Da dies Abends um 8 Uhr geschah, zu welcher Zeit in dieser Gegend der Erdkugel schon tiefe Finsterniß herrscht, so machte sich das eine halbe Stunde sichtbare schwimmende Feuer recht gut.

Den 22ten Juli 1838. Sonntag.
Bei dem Gottesdienst zeigte sich große Unaufmerksamkeit, worüber ich so niedergedrückt war, daß ich für einige Augenblicke dem Gedanken nachhing, ihn nie wieder zu halten, so weit ich dabei beteiligt bin, nämlich nie wieder eine Predigt zu lesen. Außerdem, daß die auf dem Hintertheil des Schiffes Anwesenden große Unaufmerksamkeit bewirgten, war auch ein sehr störendes Geräusch unten, von denen verursacht, die gar nicht dem Gottesdienst beiwohnten.

Den 24ten Juli 1838.
wurde ich von Seiner Excellenz, dem Gouverneur, ersucht, seiner etwa 14 Jahre alten Tochter Unterricht in der deutschen Sprache zu geben.

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