Tagebuch Adelaide
Mai 1838 - September 1838
( 24 ) Den 25ten Juli 1838. Mittwoch.
Nahm Fräulein Gawler die erste Unterrichtsstunde in Deutsch bei mir. Durch ihre körperliche Größe getäuscht, hatte ich sie für gereifter gehalten, als sie wirklich ist und ihrem Alter nach gewöhnlicher Weise sein kann. Ich fand bei ihr große kindliche Unbefangenheit, ja sogar jugendliche Flatterhaftigkeit.

Den 26ten Juli 1838. Donnerstag.
Wurde eine Frau unter den Reisenden im Zwischedeck von einer gesunden starken Tochter entbunden, zum Verwundern Aller, da die Mutter, so lange sie an Bord ist, kränklich gewesen [war].

Fräulein Gawler mußte wegen körperlicher Schwäche den Unterricht aussetzen.

Nachmittags ereignete sich ein Unglücksfall unter den Kindern, es fiel nämlich eines die Treppe hinunter, wobei es so stark verletzt wurde, daß Sprache und Bewußtsein sogleich schwand und man an seinem Durchkommen zweifelte.

Gegen Abend bekamen wir einen unerwarteten Besuch von einem Seestorch(37), der lange Zeit unser Schiff umkreisete. Man erwartete daher, daß er sich beim Dunkelwerden auf einem Mast niederlassen, da einschlafen, herabfallen, und sich fangen lassen werde, wie es gewöhnlich der Fall ist. Vielleicht aber, durch den Knall einiger Flinten, die man probierte, verscheucht, verschwand er, als es finster wurde.

Den 27ten Juli 1838. Freitag.
Auch heute setzte Fräulein Gawler ihren Unterricht aus, weil die Bewegung des Schiffes so heftig war, daß sie auf den Kopf Einfluß hatte. In der That neigte sich das Schiff ( 25 ) sehr auf die Seite, so daß man Mühe hatte, sich aufrecht zu erhalten. Aber man achtet dergleichen Unbequemlichkeiten nicht, wenn es nur dem Ziel zu geht, wie es heute geschehen, und zwar sehr rasch, indem wir jede Stunde 2 deutsche Meilen zurücklegten.

Im Laufe meiner Gedanken, die mir diesen Abend durchs Gehirn gingen, dachte ich mit großer Lebhaftigkeit daran, wie vortheilhaft es sein würde, wenn die Heidenboten auf dieselbe Weise wie die Kirchendiener daheim erzogen würden, und ich nahm mir vor, die Gründe, die sich nach meiner Meinung für die gedachte Erziehung der Heidenboten anführen ließen, bei erster Gelegenheit niederzuschreiben, was denn hiermit geschieht.

Im allgemeinen würde, wenn die Heidenboten auf den Hochschulen Deutschlands gebildet würden, eine engere Verbindung zwischen der Mutter- und Tochterkirche unter den Heiden herbeigeführt werden. Daß aber diese Verbindung ein Vortheil für beide Theile sei, ist schon von so vielen erkannt und ausgesprochen worden, daß es unnöthig ist, darüber noch weiter ein Wort zu sagen. Indeß wird dieser allgemeine Vortheil erst in seinem ganzen Umfange begriffen werden, wenn man

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