Den 2ten November 1838.
Da wir heute Abend ein dem gestrigen ähnlichen Geräusch vernahmen, so vermutheten wir einen neuen Tanz unter den Eingeborenen und gingen zu ihnen. Wir fanden freilich nicht, was wir erwarteten; aber doch etwas, das uns für die Mühe des weiten Ganges reichlich entschädigte. Sie hatten heute einen Tanz oder ein Spiel, wie man es nennen will, dem gestrigen etwas ähnlich, was sie
Kuri nannten und welches eine Vorbereitung zu dem eigentlichen Tanz vorstellen zu sollen schien, indem sie sagten, daß der letztere,
Parlte von ihnen genannt, darauf folgen werde. Als wir kamen, war alles schon in vollem Gange; wir bemerkten erstlich eine Reihe Männer sitzen, welche tactmäßig ihre Keulen an einander schlugen und dazu einige immer wiederholte Worte sangen; dann saß vor ihnen ein Haufen Männer, die schon matt waren. Hinter diesen endlich waren die Tänzer. Drei Männer, ganz nackt, das Gesicht mit Kreide bemalt, Leib und Brust mit zwei, oben auf der Schulter zu wie ein Schwalbenschwanz auslaufenden, Kreidestreifen geschmückt, beide Kniee mit einem Laubkranz umwunden, stampften abwechselnd
je nachdem die Sänger sangen, mit einem Fuße oder mit beiden, und zwar auf eine so rasende Weise, daß man sie vor dem aufwallenden Staube kaum sehen konnte. Sobald einer matt war, kam er vorwärts und legte sich zu dem Haufen derer, die schon vor ihm getanzt hatten, wobei immer ein triumphierendes Geräusch von den
( 58 ) Umstehenden gemacht wurde. Die so entstandenen Lücke aber wurden sofort von einem derer, die weiter hinten bereit standen, wieder ausgefüllt, bis alle an die Reihe gekommen waren. Als auch der letzte vor Entkräftung niedersank, richteten sich alle auf die Kniee und eine kurze Bewegung rückwärts und vorwärts mit einem gräßlich dumpfen grunzenden Getön. Zu bemerken ist, daß die Weiber hiebei ganz unthätig waren, außer, daß die [eine] oder die andere freiwillig, nach dem Tact der Singenden und Tanzenden, eine Bewegung von der einen Seite zur anderen machten. Überhaupt war das Ganze wol geeignet, die Lebensgeister eines Europäers aufzuwecken, und die ihren sollen bisweilen durch solche Spiel so hochgespannt wurden, daß sie wie völlig rasend werden.
Den 3ten November 1838.
Es war uns schon längst daran gelegen, die Eingeborenen zu vermögen, daß sie sich wäschen,was sie nie thun, welcher Unreinlichkeit ich das unter [ihnen] fast allgemeine Augenübel zuschreibe. Heute gelang es uns bei mehreren Knaben auf folgende Weise; wir tranken gerade Thee als sie in unsere Hütte kamen; und wie gewöhnlich bettelten sie um Thee; ich sagte, sie sollten welchen bekommen, unter der Bedingung, daß sie sich zuvor Gesicht und Hände wäschen. Diese Lockung vermochte sogleich, was alles Bitten nicht hatte ausrichten können. Aus ihrer Ungeschicklichkeit dabei ging deutlich hervor, daß sie sich das erste Mal in ihrem Leben wuschen. Br. Teichelmann fing nun an, einem von ihnen das Haar zu kämmen, was ihnen so wohl zufiel, daß sie es alle wünschten, gekämmt zu werden und einer mich sogar bat, ich möchte ihm die von der Ockerfarbe zusammen gebackenen Locken abschneiden, damit auch er gekämmt werden könnte.