Tagebuch Adelaide
Oktober 1838 - November 1838
Aus der Beschreibung, die ich jetzt von diesem Tanz geben werde, wird dem Leser einleuchten, daß die Bezeichnung: Kriegstanz die angemessendste ist.

Vorn sitzt eine doppelte Reihe Weiber mit dem Gesicht einander gegenüber, die mit ihren Keulen auf straff gespannte Felle schlagen, und so ein dem Trommeln ähnliches dumpfes Geräusch unterhalten. Wenn der Tanz beginnen soll, fangen sie daneben ein gellendes Geschrei an, dann entfernen sich die hinter ihnen stehenden Männer auf etwa zwanzig Schritte, schwingen ihre Keulen und Speere drohend über ihren Häuptern und nähern sich in dieser herausfordernden Stellung ganz allmählig mit einem bewundernswürdigen Hüpfer oder vielmehr Zittern und einem furchtbaren Geschrei den singenden und trommelnden Weibern. Beim ersten Anrücken lassen sich feinerer Stimmen hören; wie sie aber näher kommen, werden die Stimmen immer gröber und heller, bis wenn sie dicht bei den Weibern sind, die alten starken Kerle ein Gebrüll erheben ( 56  ) als ob Himmel und Erde vergehen sollten; die Töne, welche sie dabei machen, sind ganz sinnlos, werden kurz abgebrochen und schnell nacheinander wiederholt, so daß zwischen ihnen und den zitternden kurzen Tritten ein Ebenmaaß ist. Wenn das Gebrüll am stärksten [ist], brechen die Männer kurz ab, während die Weiber fortfahren, gehen wieder so weit wie vorher zurück und rücken ganz auf dieselbe Weise wieder heran. Wenn sie dies 3 oder 4 Mal wiederholt haben, so tritt eine viertel- oder halbstündige Ruhe ein, während welcher sie mit einander scherzen, oder weniger anstrengende Bewegungen machen, oder auch bei den Umstehenden betteln. Wenn sie finden, daß sie sich lange genug erholt haben, geht es wieder von vorn an und so fort, bis tief in die Nacht hinein.

Was haben nun diese Tänze zu bedeuten? Sieht man auf ihre Stellung, Bewegung und das Geschrei nebst dem Schwenken ihrer Waffen, so muß man geneigt sein, zu glauben, daß sie einen Angriff oder eine Herausforderung des Feindes vorstellen sollen und also eine Art von Kriegsübung sind; nur sind dann die Weiber da vorn im Wege; denn man sollte denken, daß sie dieselben, um sie von dem Feinde zu schützen, lieber hinter sich haben würden, wie die alten Deutschen; oder man müßte annehmen, daß sie dieselben vor sich lagern ließen, um sich durch ihre Gegenwart und durch den Hinblick auf ihre Wehr- und Schutzlosigkeit zu desto größerer Wuth und glühenderer Rache anfeuern zu lassen. Andere haben diesen Tänzen eine religiöse Bedeutung beilegen und aus dem Umstande, daß sie zur Zeit des Vollmondes statt zu finden pflegen, eine Verehrung des Mondes herleiten wollen; allein da sich sonst keine Spur von religiöser ( 57 ) Verehrung unter ihnen findet, so ist diese Vermuthung wohl ungegründet, und es scheint, daß sie die Zeit des Vollmondes blos der hellen und heitern Nächte wegen gewählt haben, so wie sie denn auch um des Lichtes willen ein größeres Feuer als gewöhnlich an einem solchen Abend unterhalten.

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