Begräbnißfeierlichkeit der Eingeborenen
( 63 ) Den 20ten Februar 1839.
Am letzten Donnerstagabend verstarb die Eingeborene Wariato, eine von den beiden Frauen ihres Mannes Munaitja.
Sie war eine der größten und stärksten Frauen unter allen ihren Landsmänninnen in der Blüte ihres Lebens, und etwa 25 bis 30 Jahre alt. Die Ursache ihrer Krankheit und ihres Todes war eine solche, wie man sie unter den Eingeborenen nicht erwarten sollte, nämlich eine Fehlgeburt. Den letzten Tag ihres Lebens brachte sie größten Theils ohne vernünftiges Bewußtsein zu; sie rief zum Beispiel so stark, als sie nur konnte, ihre Mutter, die nahe bei ihr stand. Als nach Sonnenuntergang sich ihr Ende nahete, und ein allgemeines Geheul entstand, eilte ich hinzu und fand sie noch nicht ganz todt, sondern mit dem Tode kämpfend und stark röchelnd. Ich holte ein wenig Wein, aber die Männer wollten mir nicht erlauben, ihr denselben zu geben, vorgebend, ihre Zähne seien schon geschlossen, wie [es] auch der Fall war. Da sich der Odem [Atem] noch ziemlich lange in ihr hielt, vielleicht mit daher, weil die Männer sie in aufrecht sitzender Stellung hielten, so entfernte ich mich, ehe sie verschied.
Freitag Morgen war mein erstes Geschäft, mich nach der todten Wariato umzusehen und war verwundert, sie in ein altes Stück Zeug so eingewickelt zu sehen, daß sie nicht ihre halbe natürliche Länge mehr hatte; ich erkundigte mich später
( 64 ) woher sie so kurz sei, und vernahm, daß ihre Arme gegen [die] Brust, und
die Beine gegen den Leib zusammengelegt seien. Viele Eingeborene saßen um die Verstorbene, einige mit ihrem Haupte auf ihren Leichnam gelegt und bezeugten durch ein lautes Geheul und einem Strom von Thränen ihre Theilnahme. Nachdem wurde sie mit trockenem Grase und darüber mit grünen Zweigen bewunden auf eine von Stangen zusammengebundene Bahre gelegt und von 8 bis 10 Männern getragen. Zuerst gingen sie um den Fleck herum, wo sie gestorben [war], standen dann und wann ein Augenblick still und einer von ihnen legte seinen Mund dicht an ihren Kopf und lispelte, als [ob] er ihr etwas ins Ohr sagen wollte. Zuweilen drehten sie sich, auf demselben Flecke bleibend, mehrere Male in Runde, standen wieder und einer flüsterte; drehten sich abermals in entgegengesetzter Richtung und wiederholten dasselbe. Alles dieses ließ mich vermuthen, daß die Leute Versuche machten, um etwas von der Verstorbenen zu erfahren; ich fragte also, was jene Bewegungen und namentlich das Flüstern zu bedeuten haben. Darauf bekam ich eine Antwort, von der ich wenigstens so viel verstand, daß die Eingeborenen glaubten, einer von den Ostmannen habe die Frau getödtet. Diese Wanderungen wurden Sonnabend fortgesetzt, und zwar an allen den Orten, wo früher ihr Lager gewesen war.
Sonntag früh sollte die Verstorbene begraben werden und ich versprach, mit Sonnenaufgang bei ihnen zu sein; allein ich hatte mich verschlafen
( 65 ) und als ich zur Stelle kam, war der Zug schon fort. Da ich nun den Begräbnißplatz nicht wußte, so blieb mir nichts anders übrig, als einen von den wenigen