Zurückgebliebenen mit mir zu nehmen und nach zu eilen. Seiner Spürkraft gelang es, an der Spur den Weg zu erkennen, den der Zug genommen [hatte], und so kamen wir bald an den Ort, wo sich der Haufen gelagert [hatte], und wo die Leiche beigesetzt werden sollte. Ein Mann macht das Grab mittelst einer Keule und einer Art von hölzerner Schüppe, mit der ersteren lockerte er das harte Erdreich auf und mit der letzteren warf er das Aufgelockerte heraus. Die Gestalt des Grabes war länglich rund, nach unten weiter, nach oben etwas enger. Als ich ankam, war die Gruft schon halb fertig und unwillkürlich trat ich an den Rand, aber bald bedeutete man mir, daß ich da nicht stehen dürfte, und auf die Frage, warum nicht, wurde mir gezeigt, daß ich auf dem Grabe eines daneben
Ruhenden stand. Als das Grab seiner Vollendung nahe war, kauerten zwei Männer an den Rand desselben und schauten augenscheinlich mit großer Angelegentlichkeit [Nachdruck] hinein, wobei sie leise, bald mit einander, bald ein jeder für sich sprachen, bald mit schwacher aber gespensterhafter Stimme hineinriefen, bald auf dieser, bald auf jener Seite; bei den Rufen schüttelte einer mit beiden Händen das über seinen Schultern hängende alte Kleidungsstück.
( 66 ) Während diese Gebräuche beobachtet wurden, gingen 2 Männer und zwei Weiber
in entgegengesetzter Richtung abseits, die ersteren nach Süden, die letzteren nach Norden. Nach einer kurzen Abwesenheit kehrten sie in vollem Laufen zurück, aber nicht in der Richtung, in welcher sie abgegangen waren, sondern die Männer von Norden und die Weiber von Süden, so daß jedes Paar einen Halbkreis gemacht haben mußte. Die beiden Männer hielten jeder in beiden Händen einen alten ausgelöschten Feuerbrand, den sie dicht ans Ohr hielten, und damit in etwas gebückter Haltung angeschossen kamen, als wol[l]ten sie jemand ertappen. Eben das war der Fall mit den Weibern, nur mit dem Unterschied, daß sie anstatt der Feuerbrände kleine Büschel Heu hatten. Dieser Unterschied muß von Bedeutung sein, da ihn die Eingeborenen in der Benennung der Leute ausgedrückt haben, die den beschriebenen Gebrauch vollziehen, indem die Männer "Ngara-kupa" heißen, zwei zusammengesetzte Wörter, deren erstes "Holz" bedeutet, die Weiber hingegen "Tuta-unjo", (tuta heißt Gras oder Heu). Obschon beide Theile nicht gleich nahe dem Grabe waren, als [sie] einander zu Gesicht bekamen, so richteten [sie] es doch so ein, daß sie in einem Augenblick die letzten beschleunigten Schritte thaten. Dann umringten sie nebst jenen bereits vorher erwähnten Auguren [Erkunder des Götterwillen] das Grab, und pflanzten die Männer ihr Holz und die Weiber ihr Heu in die aus dem Grabe geworfenen Erde. Jetzt standen alle übrigen Eingeborenen auf; einige suchten trockenes Gras und Baumrinde und legten sie unten ins Grab. Hierauf warfen sich der Eheman der Verstorbenen und noch einige Andere um den Leichnam und hielten eine kurze rührende Klage, worauf dann die Leiche eingesenkt wurde. Sobald als dieselbe ihren Ruheort berührte und die trockene Rinde zerbrach, schüttelten die Zunächststehenden den Kopf und gaben einen dumpfen hauptsächlich Ekel verrathenden Laut von sich, der sofort von dem ganzen Haufen nachgemacht wurde.