Tagebuch Adelaide
Mai 1839 - August 1839

Gebe der Herr, der durch die Erfahrung an diesen beiden Abenden mich über meinen Unmuth wegen unserer Aussicht für die Zukunft sehr beschämt hat, daß, gleichwie auf das Unterrichtetwerden an einem Abend das Unterrichten am nächsten folgte, so auf das erste Jahr des Forschens das zweite des Lehrens folgen möge.

Den 7ten Juni 1839.
An dem heutigen Tage vor 24 Jahren zog mich die Güte Gottes aus [dem] Mutterleibe ans Licht. Sei Du, mein treuer Herr und Gott, gepriesen für alles, was Du mir während meines bis- ( 81 ) herigen Lebens Gutes erwiesen [hast], und verzeihe mir die Gleichgültigkeit, daß ich erst am Schluße dieses Tages bedachte, daß ich an demselben geboren worden [bin]. Bis hierher haben Gnade und Barmherzigkeit mich begleitet, laß sie mich ferner begleiten bis zu meinem seligen Ausgang aus der Zeit in die Ewigkeit.

Während der Nacht war ein Eingeborener von dem Wirrastamm gestorben, ohne vorher lange und schwer krank zu sein, weshalb es nicht zu meiner Kenntniß gekommen war. Am Morgen bezeugten ihm alle seine Landsleute durch lautes Klagen ihr Beileid und nahmen dann die gewöhnlichen Umgänge und Untersuchungen mit ihm vor, wobei ich die Entdeckung machte, daß der unterm 5ten dieses Monats erwähnte Kadliadli immer der nächste Anverwandte des Verstorbenen ist. Übrigens glaubten die Eingeborenen heute gefunden zu haben, daß ein gewisser entfernter Mann der Mörder in diesem Fall sei. Erkannt wird dieses daran, wenn der Kadliadli bei Erwähnung seines Namens herumgeht und dann weggeht.

Näher und deutlicher ward mir auch noch heute das Erdolchen beschrieben; nach der Meinung der Eingeborenen nämlich schleicht sich der Mörder einem Menschen nahe, wenn er schläft, hebt seine Decke sachte auf, und stößt seinen Dolch tief und bis nach oben in seinen Unterleib, zieht ihn langsam zurück und kneipt die Wunde wieder zu, so daß sie nicht bemerkbar ist. Die Folge davon aber ist, weil die Lunge verletzt ist, daß der Verwundete später stirbt. --

Laß doch, o Jesu, über dieses in Finsterniß und Aberglauben versunkene Volk bald das Licht Deines Evangeliums aufgehen. Amen.

( 82 ) Den 8ten Juni 1839.
In Folge des gestrigen Todesfalles sind, leider!, viele Eingeborene fortgegangen nach Norden, um den Verblichenen zu begraben; sie werden nicht so bald wieder kommen. Außerdem sind Mehrere für längere Zeit nach Ngankiparringa auf die Kängurujagd gegangen.

Heute Morgen [hatte ich] eine mehrstündliche Unterhaltung mit dem Beschützer; [es gab] einen anziehender Aufsatz über die Deutschen in der Gazette vom Pastor Kavel(91).

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