Tagebuch Adelaide
Mai 1839 - August 1839
Nachmittags Besuch von Herrn Webster(102), der mir sagte, samt Urtheil über Herrn Moorhouse und seinen Vorgänger, daß ein gewisser _______(103), früher Missionar der Londoner Gesellschaft auf Madagaskar, als Lehrer der Eingeborenen nach Encounter Bay bestimmt sei; Abends unangenehm berührt von einem sonst geachteten, jetzt aber trunkenen Landsmann.

Den 2ten Juli 1839.
hatte ich den ganzen Tag den Eingeborenen Tilti Midlaitja bei mir, der mir nicht alleine eine Menge Wörter verschaffte, sondern auch mit Liebe die Buchstaben zu lernen anfing und Abends vieles über Sonne und Mond erzählte, von dem ich aber wegen Müdigkeit und Mangel an Sprachkenntniß nur gewiß verstand, daß die Sonne weiblich ist, der Mond hingegen alt und schwach, weshalb ihn die junge starke Sonne leicht schlagen kann. Doch lebt er wieder auf, denn er ist jamaiama (unsterblich?). Die Sonne sitzt Nachts in ihrem Hause im Wasser und ißt Fische.

Den 4ten Juli 1839.
Endlich wurden heute gegen Abend die Erdwälle zu meines künftigen Nachbars Hause angefangen. Drei Eingeborenen arbeiteten und Cronk ( 86 ) den der kräftige Beschützer nebst andern tüchtig in Gang bringt, leitete sie blos an. Um 6 Uhr wurde für die Arbeiter in meinem Hause von meiner künftigen Nachbarin ein Abendessen gekocht.

Der Beschützer, welcher eine lange Unterredung mit dem Gouverneur gehabt [hatte] sagte, daß derselbe gegen ihn der Wunsch geäußert [habe], nicht so viele Eingeborenen in Piltawodlinga sich ansiedeln zu lassen, sondern unter den Europäern zu zerstreuen. Er schien gleicher Meinung zu sein, aber glücklicher weise fand er bei uns keinen Beifall; möge dieser verderbliche Plan unausführbar bleiben.

Gegen 8 oder 9 Uhr Abends hatten zwei Eingeborene einen heftigen Streit, der bald allgemeiner wurde und in Folge dessen bald die hellen Feuerbrände wie Drachen durch die stockfinstere Luft aus einer Hütte in die andere flogen. Die Veranlassung zu diesem Zank war, daß der eine dem andren kein Fleisch von seiner Beute mitgetheilt hatte, wie die Eingeborenen sonst zu thun pflegen.

Den 5ten Juli 1839.
Gegen Abend, als ich und Br. Teichelmann gerade damit beschäftigt waren, den Rahmen von der Erdwand des Hauses meines künftigen eingeborenen Nachbars abzunehmen, kam der Governeur mit seinem Privatsecretär vorbei und ließ sich nicht nur über die neue Niederlassung theilnehmend aus, sondern hat auch zum Beschützer der Eingeborenen gesagt, er wolle uns zu unserer Reise nach Encounter Bay ein kleines Timorpferd geben und Br. Teichelmann und mir den Wechsel zahlen lassen, den wir von Deutschland erwarten.

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