Tagebuch Adelaide
Mai 1839 - August 1839
( 90 ) Den 21ten Juli 1839. Sonntag.
Das heilige Abendmahl genossen in Gemeinschaft mit Drescher(108), Bauer(109), Kleinschmidt und Teichelmann.

Den 22ten Juli 1839.
Die Eingeborenen schreiben den Reif den Sternen zu, z. B. den Tinninjara, Wilutti.

Den 23ten Juli 1839.
Den heutigen Tag Morgens 9 Uhr hatten Herr Moorhouse und ich zur Abreise nach Encounter Bay oder Wirrama bestimmt, ein unerwarteter Todesfall indeß, der in der Nacht mit dem seit langer Zeit krank gewesenen Midlaitja sich zutrug, verzögerte dieselbe, indem Wauwitpinna, der versprochen hatte, uns zu begleiten, sich jetzt weigerte und erst nach langem Zureden zu gewinnen war. Außer ihm nahmen wir noch einen Knaben mit, weil Wauwitpinna ungern allein gehen wollte. Der erwähnte plötzliche Todesfall hatte auch mich in meiner Rüstung zur Reise etwas aufgehalten, so daß Moorhouse so ungeduldig wurde, daß er meinen Ärger reizte. Um 12 Uhr verließen wir Adelaide; ich war mit beinahe 30 Pfund Fleisch beladen, Wauwitpinna mit fast eben so viel Brot, der Knabe mit 10 - 12 Pfund Mehl und Moorhouse mit Thee, Zucker und Reis, etwa 10 Pfund. Mit dieser Bürde wanderten wir 16 Meilen, nämlich bis zum Morphett Thal.

Den 24ten Juli 1839.
Nachdem wir etwa 4 Meilen gegangen waren, kamen wir zu den Landmessern in Ngankiparringa, wo wir von Herrn MacLaren sehr freundlich aufgenommen wurden. Da er gerade im Umziehen nach Kanjanjapilla begriffen war, so legten wir unsere ( 91 ) Bündel auf seinen Karren, der sie 7 Meilen weiter brachte, indem benannter Ort so weit von der alten Stelle ist. Von Kanjanjapilla sollten wir noch denselben Tag nach Willanga geführt werden, wo der Gouverneur seine Zelte hatte, allein da das Schiff, welches man ihm bringen wollte, erst Abends fertig wurde, so weigerten sich die Leute, es hinzubringen, unter dem Vorgeben, daß sie in der Dunkelheit nicht finden würden, da sie den Weg nicht wußten. Man ließ uns in einem Zelte schlafen, allein die Kälte ließ mich bald das Feuer suchen, dessen wohlthätige Wärme ich die Nacht vorher erfahren hatte.

Den 25ten Juli 1839.
Kurz nach Tagesanbruch brachen wir, unser Gepäck auf dem Pferd, nach Willanga auf, welches wir schwerlich gefunden haben würden, hätten die Eingeborenen nicht in der Ferne den Rauch des Feuers entdeckt. Der Gouverneur war grad abwesend, aber ein gutes Frühstück entschädigte uns für den Umweg. Von hier aus bis zum Mount Terrible folgten wir, ohne Weg, der Leitung unserer Eingeborenen, deren Kenntniß des Landes, des Wassers, der Würmer und dergleichen wir bewundern mußten. Wir waren entschlossen, heute noch Encounter Bay zu erreichen, aber Regen, Nacht, Erschöpfung und vor allem schlimme [wunde] Füße zwangen uns 6 Meilen diesseits Encounter Bay am Murtafluß Halt zu machen. Unter einem dichten Baume und bei einem mächtigen Feuer, das uns zugleich trocknete und wärmte, waren wir ganz behaglich wohl.

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