Tagebuch Adelaide
Mai 1839 - August 1839
( 92 ) Den 26ten Juli 1839.
Den vierten Tag endlich erreichten wir Encounter Bay. Nicht nur die Inseln sammt dem Rosettenkopf, sondern auch die stinkende Anse [kleine Bucht] und [die] Knochen der Wallfische zogen zuerst meine Aufmerksamkeit auf sich. Als wir am Strand hingingen, stießen wir auf eine Niederlassung von Eingeborenen, die nach der Aussage unserer Begleiter aus Parnkamejo bestand, welche von den Ufern des Alexandrinasees (110) herunter kommen und sich während der Fischzeit von dem ausgebratenen Speck und dem frischen Fleisch der Wallfische [er]nähren; die Zahl dieser Parnkamejunna mochte in allem etwa 140 - 150 betragen. Ihr Lagerplatz heißt Limboanunga und ist östlich von der Insel Ngalaikruar oder Granitinsel(111). Außerdem war noch westlich von ihr in Wirramu oder Ramong ein Lagerplatz von etwa 50 Seelen, die zu dem eigentlichen Warramumejostamme gehören, und denen die vorhergenannten Parnkamejunna feindlich [gesonnen] sind. Am Abend vor unserer Ankunft war eine Frau von den erstern von zwei Männern der letzteren erbärmlich geschlagen, und die Reden der Eingeborenen sowohl, als ihre Zurüstungen, wie Schildermachen und dergleichen ließ vermuthen, daß ernsthafte Auftritte folgen sollten. Daß die Wirramuninjo so wenige waren, kam daher, weil die meisten in Jankaljila sich aufhielten. Übrigens sprechen beide Stämme eine Sprache.

Um Mittag langten wir bei der Schwester von Moorhouse und bei seinem Freunde und Theilhaber Newland an, mit dem Vorsatze, den Nachmittag zu ruhen und am folgenden Tage nach Currency Creek(112) zu gehen, welchen Ort der Gouverneur ( 93 ) als einen Lieblingsort der Eingeborenen und darum als geeignet zu einer künftigen Niederlassung bezeichnet hatte. Moorhouse, der in Encounter Bay eine 80 Äcker Abtheilung Landes, 3 Arbeiter und viele andere Sachen hat, fand indeß so viele Privatgeschäfte, daß wir erst den 30ten Juli gegen Mittag fortkamen. Alles, was wir in Encounter Bay gethan haben und thun konnten, war, die Leute zu zählen, was wir am

27ten Juli 1839

thaten; ich bemerkte unter den Wirramumejo eine Frau, welche die Sprache der Adelaider Eingeborenen spricht, und mir also im Fall einer Niederlassung daselbst sehr nützlich sein würde.

Den 28ten Juli 1839. Sonntag.
Nachdem wir Tags zuvor die Eingeborenen gezählt [hatten], stiegen wir heute Nachmittag zum Zeitvertreib auf die Spitze des Kegels Rosettenhaupt(113). Im Herabsteigen bemerkte ich eine Hütte der Eingeborenen, die wir bisher nicht gesehen hatten; am andern Tage besuchte ich sie, um sie zu zählen und fand, daß lauter Paitjabulti (das ist die alten Weiber, wie es der uns begleitende Knabe [wieder]gab) oder Witwen darin wohnen. Auch bei den Parnkamejo war eine

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