Tagebuch Adelaide
Mai 1839 - August 1839
nämlich

Den 31ten Juli 1839.
machten wir uns auf, um die Umgegend, namentlich den unteren Murray und die Verbindung des Flusses mit demselben zu sehen; die Ufer sind flach und sumpfig, daß man nicht bis dicht ans Wasser kommen kann. Dieser Umstand ist fast verdrießlich, wegen der vielen Enten, Schwäne und anderer Vögel, die unter dem Schutze jener Sümpfe ganz keck einher schwimmen, als ob sie sich ihrer Sicherheit bewußt wären. Etwa 3 Meilen von Pullens Lagerstätte östlich stießen wir auf einen Haufen von einigen zwanzig ( 96 ) Eingeborenen, mit denen wir uns wenig verständlich machen konnten. Außer den gewöhnlichen Flechtarbeiten, Körben oder Taschen und dergleichen, fanden wir auch Schädel bei ihnen, die sie statt Trinkgefäße brauchten. Sie waren mit Heu angefüllt, um das schlechte Wasser, welches sie aus einem etwa drei Fuß tiefen Brunnen neben dem salzigen Fluße schöpfen, damit zu reinigen. Wir tranken etwas, der Knabe aber hatte eine Abscheu vor dem Schädel, und benahm sich überhaupt scheu, gleichwie in Wirramu, obwohl ihm die Männer alle Zeichen der Freundschaft bewiesen, z. B. nahmen sie ihn bei der Hand, als sie uns das Wasser zeigten. Sie gaben uns einen Schädel, den Moorhouse behielt, wofür wir ihnen etwas Brotkuchen(117) gaben.

Wir gingen von hier noch mehrere Meilen weiter, ohne etwas Bemerkenswerthes zu sehen, es wäre dann die Hindmarshinsel(118) im Alexandrinasee. Als wir aber zurückkamen, bemerkten wir einen Todten, der mit unterschlagenen Beinen und ausgebreiteten Armen aufrecht oben auf einer der Hütten saß, indem ein Strick, um beide Hände und den Hals an einem nahe stehenden Baum gebunden, das Gleichgewicht erhielt. Er war schon ganz trocken, wo oder wo noch etwas daran fehlte, so war das Feuer, welches unter ihm in der Hütte brannte, geeignet, ihn bald völlig zu dörren. Sein ganzer Leib war mit rothem ( 97 ) Ocker angestrichen, Brust und Bauch aber mit weißer Farbe gefleckt; sein Bart war bis auf den Schnurbart abgebrannt und ein etwa 1 Fuß langer Knochen stak in seinem Nasensteg.

So saß er da, einem Götzen oder einer ägyptischen Mumie nicht unähnlich; die Eingeborenen beabsichtigen indeß mit dieser Sitte wahrscheinlich blos, das Andenken an den Abschiedenen für eine längere Zeit zu erhalten, denn als sie sahen, daß wir diese sonderbare Gestalt bemerkten und niemanden aufmerksam machten, sagten sie mit beweglichem Tone, "sit down, sit down".

Als wir Abends zu Hause kamen, trafen wir Captain Pullen, einen jungen artigen, aber, wie mir schien, etwas wilden Mann, an, bei dem wir noch einmal ein gastfreies Nachtquartier fanden.

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