Tagebuch Adelaide
August 1839 - Oktober 1839

August 1839 - Oktober 1839

Den 1ten August 1839.
Mit Regen begann und endete dieser Tag, und um so ungelegener, als wir die größere Hälfte des Rückweges durch hohes Gras, Gesträuch und Gebüsch zu machen hatten, blos von der Spur dreier uns vorangegangener Pferde geleitet. Hätten wir den eingeborenen Knaben nicht bei uns gehabt, der die Pferde[spuren] über Gras und Steine und überall nachspüren konnte, so irrten wir vielleicht mehrere Tage in den äußerst öden Gebirgen umher, da man weder Sonne noch Gebirge sehen konnte vor Nebel und Regen. Es war unsere Absicht, ( 98 ) nicht eher Halt für die Nacht zu machen, als bis wir an eine Stelle kamen, wo Wasser und Holz für uns, und Gras für das Pferd wäre, das einer von uns hatte; allein als die Nacht plötzlich hereinbrach, kamen wir an einen Sumpf, und wir waren genöthigt, mit Regenwasser und wenigem Holz, von dem Blätter und Zweige abgebrannt waren, vorlieb zu nehmen und auch das Pferd hatte wenig oder gar kein Gras. Durchnäßt und selbst ohne den Schutz von einigen Laubbäumen, dem kalten Wind und Regen ausgesetzt, so froren wir sehr die lange Nacht. Indeß nachdem es uns gelungen war, mit Hülfe von Papier und einem alten Strick, den glücklicher Weise einer [von uns] in der Tasche hatte, ein großes Feuer anzumachen, befanden wir uns über Erwarten wohl, dazu kam, daß der Regen etwas nachließ. Der Boden war freilich so naß, daß ans Niederlegen wenig zu denken war, darum plauderten wir bei einer Cigarre oder Pfeife Taback, so lange es gehen wollte, legten uns abwechselnd auf meine Decke und machten uns um 2 Uhr auf, um Thee und Aschenkuchenl(119) [in einem „Asch“ = Zinkblechform oder große Metallschüssel gebacken] zu machen, sodaß wir um 6 Uhr wieder auf dem Marsch waren.

Den 2ten August 1839.
Nachdem wir etwa wieder 3 Stunden unserer Spur gefolgt waren, führte uns dieselbe zu einer bekannten Gegend und endlich geraden Weges zu der Lagerstätte des Gouverneurs. Dieses Mal trafen wir ihn an, und nachdem er uns ein gutes Frühstück hatte geben lassen, unterhielt er sich mit uns ( 99 ) eine Weile aufs Freundlichste. Unter andrem sagte er dem Beschützer, daß die englische Schreibweise sich auf die Sprache der Eingeborenen nicht wohl anwenden ließe, weil das Schwankende in der Aussprache sowohl die Eingeborenen verwirre, als auch die Europäer ungewiß machen würde. Diese, mit Gründen wohl unterstützte, Belehrung freute mich um so mehr, als Moorhouse bisher [in] ungegründeter und unwissender Weise das Gegentheil behauptet hatte.

Unter Starkem Regen verließen wir gegen 11 Uhr Willunga und kamen durchnässt und erschöpft dann um 7 Uhr Abends wieder an der Stelle an, wo wir die erste Nacht übernachteten. Meine Füße waren so wund und schmerzlich, daß ich die letzten vier Meilen baarfuß gehen mußte. Diese Nacht war die unangenehmste auf der ganzen Reise, die Erde naß und kalt, so daß man sich nicht legen konnte, wir zum Umfallen müde aus Mangel an Schlaf in der vorigen Nacht, dazu die Leute sehr unaufmerksam.

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