Tagebuch Adelaide
August 1839 - Oktober 1839
Ich blieb bis um 9 Uhr, indem Bertha, wenn ich von Gehen sprach, immer Gründe fand, daß ich keine Eile habe und noch bleiben könne. Jedoch mehr als alles, was Bertha Liebes und Theures sagte, war das Geleit, das sie mir beim Abschied bis auf den Hof gab. Es war zwar kein Mond aber die Sterne schienen glänzend und sandten ihren Flimmer zu uns herüber, theilnehmend an unserm Glücke. Bertha's fühlendes, gutes und liebes Herz bedauerte mich, daß ich noch einen so langen einsamen Weg im Finstern zurückzulegen hätte. Ich fragte sie, ihre Hand suchend, ob sie sich wohl noch des Schlusses meines letzten Briefes erinnere, worauf sie erwiederte, daß sie den gewiß nie vergessen werde, mit einem Händedruck, den auch ich nie vergessen werde. Ich er- ( 120 ) wiederte, wenn sie an Schlinke werde geschrieben haben; eher, war ihre Antwort, geht es auch gar nicht. Dann also wird es doch gehen, dann wird mir also eine Wonne zu Theil werden, die mich schon in der Vorahnung zitternd macht; möge denn mein Herz bereit sein, jene Wonne in ihrer ganzen Tiefe und Fülle zu empfinden. Unter dem Gespräche fiel mir auf ein Mal ein, ob auch ein Lauscher in der Nähe sein könne, und mit der Behendigkeit einer zärtlich Liebenden war sie um die Ecke. Als sie zurück gekommen [war], schieden wir mit einem herzlichen Händedruck, wahrscheinlich beide nicht befriedigt, daß es so kühl noch geschieden sein mußte.

Auf dem Rückwege war ich wie im Traume und erst wie ich der Stadt nahe war, ward ich mir des heiteren Himmels, der feierlichen Stille der Nacht und meiner selbst bewußt. Meine Seele war voll ruhiger Freude und der Gewißheit, daß unser Verhältniß Gott wohlgefällig sei. Seiner Güte sei Dank und Lob, die uns das Glück bereitet, welches wir genießen.

Den 5ten September 1839.
Heute war ich fast den ganzen Tag unausgesetzt unter Eingeborenen und es gelang mir endlich, ein Häuflein von 8 um mich zu versammeln, von denen einer Kudna Ipiti* 11 Buchstaben lernte und mehrere beinahe so viel.

Die schon erwähnte Jamaiama sind zugleich Ärtzte, wie mir Wauwitpinna heute sagte, der in des Einen Kur jetzt ist.

Mit dem Spiel Kuri steht ein gewisses Rätsel in Verbindung, das die Eingeborenen weit von Norden holen und das mir einer heute zeigte.

Schlinke war sehr erregt, als er mir heute Abend die Hand reichte. Er merkt.

( 121 ) Den 6ten September 1839.
Um 11 Uhr überraschte mich Bertha mit ihrem Besuche, begleite von Julius [Fiedler] und einer Frau, die ihres Bruders Felle holten. Ich schämte mich des Schmutzes, der in meiner Stube war, und war überhaupt etwas verlegen. Ich fragte Bertha, ob sie auf der Post gewesen sei, worauf sie erwiederte, sie schicke lieber einen Expressen. Beim Abschied sagte sie mir, sie habe Schlinke geschrieben und ihre Begleiterinn habe den Brief hingetragen; sie hätte ihn etwas von "Spitzbuben" brummen hören.

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