Tagebuch Adelaide
August 1839 - Oktober 1839
Bertha war unterdessen zurück gekommen, und trat mir so liebenswürdig und so liebevoll entgegen, wie ich sie noch nie gesehen [hatte]. Glücklicher Weise waren wir eine Zeit lang alleine, wo sie mir erzählte, was ich schon von ihrem Vater gehört hatte, aber mit dem Zusatze, selbst wenn ich zurückträte, würde sie ein derartiges Verhältniß mit Schlinke nie eingehen. Sie meinte, sie hätte einen sauren Nachmittag gehabt, da dieser lieblose Liebhaber sich gestellt, als ob sein Herz ganz gebrochen wäre über ( 118 ) der Kälte, mit der sie ihm begegne. Er habe sie gefragt, woher sie komme und sie habe vielerlei geantwortet, allein er habe gemeint, das alles könne es nicht sein, es sei nicht hiereichend. Sie habe deshalb vor, ihm noch diese Woche ihre runde Meinung zu schreiben, da er versprochen [habe], am Sonntage wieder zu kommen, um nicht abermals in ähnliche Verlegenheit zu kommen. --

Unter den mancherlei Gesprächsgegenständen kam auch die Rede auf unser Alter; Bertha wollte mit dem ihrigen nicht recht heraus, sondern gab mir auf, es zu errathen, wahrscheinlich meinend, ich würde überrascht werden mit ihrer Jugend. Freilich rieth ich ein Jahr mehr, nämlich 18, während sie noch 2 Monate unter 17 ist, indem sie im Jahre 1822 den 29ten November geboren ist. Unter diesen Gesprächen hatte Bertha vergessen, mir zum zweiten Mal Kaffee einzugießen; wie sie sich deshalb Vorwürfe machte, wollte ich sie entschuldigen und sagte, ich hätte es selber vergessen, sonst wollte ich sie der Mühe überhoben haben; alleine sie weinte, es käme ihr zu, hinzusetzend: "und das thue ich so gerne". Ihre Aufmerksamkeit war so, daß nur die reinste Liebe der Grund davon sein konnte und sie entschuldigte sich wiederholt, daß ihre Geschäfte sie dann und wann für einige Augenblicke abriefen. --

Gegen Abend kam Ferdinand Kavel(143) und holte einige Lichter, die ihm Bertha gab, wie er ihr das Geld reichte, schien es mir, als wenn er sie neckte; vielleicht die Ursache meiner ( 119 ) öftern Besuche in Klemzig ahnend;

Pastor Kavel, sagte mir Bertha, weiß um die Sache, wie ich aus seinem ganzen Benehmen schon geschlossen hatte. --

Bertha fragte mich, wann ich wieder käme, und schien nicht ganz zufrieden damit zu sein, daß ich wahrscheinlich erst künftige Woche kommen könne; sie bat mich abermals, doch ja so häufig als meine Zeit es erlauben wolle, zu kommen. Es freute sie sehr, als ich ihr sagte, daß mein Haus in Encounter Bay noch nicht begonnen sei, bemerkend: dann bliebe ich also noch längere Zeit hier. Ich fragte sie, was sie denn nun davon denke, so weit zu gehen, und sie gestand mir offenherzig, daß es ihr nicht gleichgültig sei, aber in einer Hinsicht werde es ihr leicht. Ich drückte meine Hoffnung aus, daß sie dort werde sehr nützlich sein können, und daß ich nicht daran zweifle, sie werde Freude daran finden. Darauf antwortete sie: "das weiß Gott". --

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