Tagebuch Adelaide
Oktober 1839 - Januar 1840"

Oktober 1839 - Januar 1840

Den 1ten October 1839.
Die Zeit wird mir ungeheuer lang, ein heimliches banges Sehnen verfolgt mich, wo ich gehe und stehe, und all die Beruhigung, welche ich zuerst empfand, als mich Bertha mit Gegenliebe belohnte, ist dahin. Je mehr wir aus unserer ( 143 ) Liebe gegenseitig gestehen, um so mehr wächst mein Verlangen, sie zu sehen und um sie zu sein. Bisher konnte ich es nicht fassen, daß man vor Liebe krank sein könne, aber jetzt fange ich an, die Gefühle solcher Kranken zu begreifen. --

Eine bittere Kränkung von Heinrich Calton(151) kam mir heute zu Ohren durch Herrn Moorhouse; ersterer hatte nämlich zu Herrn Prediger Quaife(152) gesagt, daß wir nichts thäten, daß wir mit den Eingeborenen im Busch leben sollten und so weiter.

Vor Dir, allwissende Herr und Gott, gebe ich mich sogleich solchen Anklagen der Nachlässigkeit in meinem Amte schuldig; manche Stunde habe ich vielleicht meiner Liebe gewidmet, die meinem Berufe gehörte; Du wollest mir um Deiner Güte willenverzeihen und die Umstände so regieren, daß ich nicht lange versucht werden möge, mein Amt zu bestehlen, sondern mir meine Liebe, meiner Augen Weide und meines Herzens Freude, meine geliebte Bertha bald schenken, daß sie um mich sei, daß sich der Kummer meiner Seele und das Sehnen meines Herzens stille.

Br. Teichelmann kam heute von Kanjanjapilla zurück.

Den 2ten October 1839.
Zu meinem großen Leidwesen ist noch kein einziger Eingeborener nach Piltawodlinga zurückgekehrt; auf der entgegengesetzten Seite der Stadt sind einige wenige. --

Gegen Abend ging ich nach Klemzig und brachte Herrn Fiedler den 10ten Theil von Luthers Werken, in welchen er von Verlobungen und so weiter ( 144 ) handelt. Meine Vielgeliebte war gerade mit Waschen beschäftigt; ob sie sich hiebei vielleicht erkältet hatte, oder ob sonst etwas Ursache sein mochte, genug das arme Mädchen hatte heftigen Zahnschmerz. Während der Abendstunde blieb ich mit ihr und Julius allein zu Haus. Als ich ihr das eingerahmte Bildniß ihres seligen Vaters gab, sagte sie mit einem herzlichen Händedruck, einen größere Freude hätte ich ihr nicht machen können. Sie zeigte mir dann einige von ihr abgeschriebene Lieder, deren Inhalt Liebe war; im letzten Verse des einen kam der Wunsch des Bräutigams vor, seine Braut am Altare ein feierliches "Ja" sprechen zu hören und als ich sie fragte, ob sie in den Wunsch mit einstimmte, konnte sie, obwohl verlegen, nicht umhin, es zu bejahen. Ich gewann Gelegenheit, ihr Strickzeug wegzunehmen, welches ich ihr nur unter der Bedingung wiedergeben wollte, daß

Seite zurück
zur Gesamtübersicht "Clamor Wilhelm Schürmann"
Seite vor