Tagebuch Adelaide
Oktober 1839 - Januar 1840
selbst nicht für wahrscheinlich hielt, Eingeborene anzutreffen. Während ich indeß den etwa 3 Meilen langen Weg nach Halls Lager machte, um Pullen zu benachrichtigen, daß er nicht auf mich warten möge, klärte das Wetter sich auf; und da Hall meinte, daß ich gewiß nicht vergeblich gehen werde, wenn ich zwei von ( 152 ) ihm genannte Orten am Murray besuche, so entschloß ich mich um so mehr, als ich in Encounter Bay nichts thun konnte, und folglich lange Weile hatte. Wir ritten scharf und um 12 Uhr Mittags waren wir am Ziele. Nach Tische ritt ich nach dem Orte, wo nach Halls [Aussage] Eingeborene sein sollten; leider fand ich ihn nicht, indem [ich] einen auf sechs Stangen schwebenden Leichnam für den Ort hielt, den Pullen mir beschrieben [hatte]. Doch waren indeß wahrscheinlich keine Eingeborenen da, weil der Ort dem erwähnten Leichnam nahe sein soll und ich auch nicht die geringste Spur, wie sie die Eingeborenen gewöhnlich auf ihren Wanderungen zu hinterlassen pflegen, vorfand. Die Nacht blieb ich bei dem freundlichen fröhlichen Pullen, der mich einlud, so oft ich in seine Nachbarschaft käme, ihn zu besuchen. Er wird an dem Murray allmählich hinaufziehen bis zu der großen Krümmung, welche ich künftig gute Gelegenheit haben werde, Untersuchungsreisen zu machen.

Den 15ten October 1839.
Ich freute mich schon, mit dem Gouverneur über mein Haus heute sprechen zu können, der heute erwartet wurde, allein er kam nicht und die Nachricht beruhte auf einem falschen Gerüchte. Jetzt entschloß ich mich, so bald als möglich, nämlich morgen, nach Hause zu gehen. Den Nachmittag, nach dem ich nach Encounter Bay zurück gekommen war, verbrachte [ich] einige Stunden unter den Eingeborenen, wo ( 153 ) eine Frau die Adelaidsche Sprache reden konnte. Herr Moorhouse wollte gern warten bis übermorgen, weil morgen die Frau Halls bei seiner Schwester zum Thee erwartet wurde. Diesen Grund ließ ich mir gefallen; als aber Frau Hall ihren Besuch absagen ließ, sagte ich Moorhouse, daß unserer Abreise nun nichts mehr im Wege stehe. Er erwiederte eben dasselbe und wollte jedoch noch einige Tage verweilen, weshalb ich aber nicht aufgehalten werden sollte. Nachher aber sprach er anders und drang mit seiner Schwester in mich, zu bleiben, seiner Schwester zu Gefallen willigte ich ein, allein er, zu stolz, von mir einen Gefallen anzunehmen, mahnte mich zum Gehen. Ärgerlich hierüber beschloß ich es auch. Allein am andren Morgen hatte die Glocke wieder anders geschlagen und er meinte, wir müßten, weil wir nur Einen Ranzen und Ein Blech hätten, zusammen reisen. So reiseten wir denn

Den 16ten October 1839.
mit einander ab, mit der Absicht, Jankalyila zu berühren, welches nur drei Meilen aus dem Wege sein sollte. Moorhouse hatte vom dortigen Landmesser Kentisch(156) meinen Brief erhalten, mit dem Ersuchen, die Eingeborenen der dortigen Gegend, welche sehr an der Venerie [Geschlechtskrankheiten] leiden, zu untersuchen. Da wir ( 154 ) beide nie in Jankalyila gewesen waren, so [mußten] wir uns auf den Wegweiser verlassen, den wir an der Straße treffen sollten. Allein nicht die Stelle wissend, wo der Wegweiser ist, verpaßten wir ihn. Als es

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