augenscheinlich war, daß wir vorbei sein mußten, entschloß sich Moorhouse zur Umkehr und ich [mich] zur Weiterreise, weil mich das Verlangen, meine theure Bertha bald wieder zu begrüßen, mit unwiderstehlicher Gewalt fortriß und ich auch vermuthete, daß die Prüfung wegen Schlinke vorgegangen sei. Es war hoher Mittag, als wir uns trennten, unweit Mount Terrible, indeß trabte der kleine Timoraner so munter mit mir, daß ich mit Sonnenuntergang in Ngankiparringa war. Ich hatte zuletzt den Weg verloren und kam [in eine] sehr hüglichte Gegend, dazu war das Pferd von Durst und Anstrengung erschöpft, so daß mir sehr bange ward, indeß erfüllte sich meine Hoffen und ich kam glücklich gerade auf Ngankiparringa zu. Die Nacht war nicht allein einsam, sondern auch deshalb unangenehm, weil ich keinen Thee machen konnte, da ich Moorhouse mein Blech gegeben hatte. Eine Stunde nach Sonnenuntergang kam der Landmesser McLaren vorbei.
Den 17ten October 1839.
Sobald der Tag graute, saß ich wieder auf und obgleich ich im Känguru Hotel
(157) ein etwas lange dauerndes Frühstück genoß, so war ich doch um 10 Uhr Morgens zu Hause. Gegen Abend überraschte ich Bertha mit meinem Besuche; sie klagte mir, daß ihr die Zeit so lang geworden [sei]. Ich hatte unterwegs einige Verse aufgeschrieben, die etwas ähnliches ausdrückten, dennoch schien sie Wahrheit darin zu bezweifeln.
( 155 ) Wir genossen während der Abendstunde einen herrlichen Spaziergang im Garten. Herr Füssli war in der Stadt, so daß ich über Nacht bleiben konnte. Leider hatten sich Berthas Zahn- und Kopfschmerzen noch nicht wieder verloren.
Den 20ten October 1839. Sonntag.
War ich bei Herrn Fiedler zum Mittagbrot eingeladen, die gute Bertha litt leider wieder sehr am Kopf und den Zähnen. Je mehr die Vertraulichkeit unter uns zunimmt, je mehr lerne ich erkennen, welche edle Seele mir zu Theil geworden [ist]. Am Nachmittag kam ein Engländer ganz stolz auf Fiedlers's Timoraner, der sich verlaufen hatte, vor Haus geritten. Herr Fiedler war darüber mit Recht aufgebracht und hätte vielleicht gewünscht, daß ich ein strengerer Dollmetscher gewesen sein möchte; meine gute Bertha aber sagte, es wäre so am besten gewesen; ihren sanften ächt weiblichen Sinn dadurch an den Tag legend. Wie gewöhnlich, hatten wir den Abend wieder für uns. Auch diese Mal blieb ich in Klemzig über Nacht.
Den 22ten October 1839.
Heute Abend ging ich mit Br. Teichelmann unter die Eingeborenen. Im Verlaufe der Unterhaltung sagte einer: unsere Reden von Jehova seien nicht wahr, hinzufügend andre Europäer hätten es ihm gesagt. Ich sagte, daß er jetzt ausgelassen sei, daß er aber künftig, wenn ihn Gott werde in das große Feuer heißen gehen, sehr betrübt sein werde. Er wiederholte mit gräßlicher Frechheit, er wolle Gott mit den Speeren werfen, dabei den Speer schüttelnd, als ob er zeigen