Wir waren Abends zwar eben so vertraulich wie sonst, dennoch ließ ihre Furcht sie mir den erbetenen Kuß nicht geben, und den Ring zu behalten, gab sie nur erst dann zu, als ich ihr sagte, ich würde ihn nie zurück fordern, selbst im schlimmsten Falle nicht. O wie wahr ist es, was ich Pastor Kavel vorwarf, daß er mir das Herz meiner Braut entfremdet habe. --
Dunkel und schwer ist der Pfad, den Du, mein Gott, mich gehen hießest; aber gewiß, Du wirst ihn erhellen und erleuchten. Schenke mir in dieser wichtigen Angelegenheit, die Du so weit gefördert hast, einer Seits weise Mäßigung, anderer Seits beherzte Entschlossenheit, auf daß ich weder durch leidenschaftliche Ungeduld, noch durch zahme unmännliche Nachgiebigkeit, mir selber und Deiner Sache schaden möge. Amen.
Neugierig bin ich nun auf Kavel's Gründe und Fiedler's Antwort auf die Frage: Ob er seine Zustimmung zu unserer Verlobung gebe, auch wenn Pastor Kavel bei seiner Ansicht beharre.
( 171 ) Es ist mir nicht recht klar geworden, ob Herr Pastor Kavel der Gesellschaft in Dresden, oder Herrn Schlinken zu Gefallen, die Angelegenheit berichten will. Ersteres möchte ich deshalb glauben, weil er die Vaterrechte derselben so hervorholt und erwähnte, daß sie mich
unterhielten, und so weiter; und dies wäre eben so herrschsüchtig, als für mich beschimpfend. Letzteres ist deswegen glaublich, weil Pastor Kavel sagte: Schlinke wäre ihm eben so lieb als ich, seinethalben oder zu seiner Genugthuung müsse es geschehen; dieses aber hieße meine Braut beschimpfen; oder die Welt glauben zu machen, als hätte ich sie aus der zweiten Hand bekommen. Darum sei mein Entschluß, entweder ich verlobe mich jetzt mit meiner von allem gereinigten Braut, oder -- -- fürchterlich ist der Gedanke. --
Noch ehe ich beim Herrn Pastor gewesen war, klagte ich Herrn Kook meine Sache, dem die Ansicht Kavel's sehr anmaßlich erschien und der mir sagte, das könne ich mir nicht gefallen lassen. --
Ja wie wäre ich auch meiner liebenswürdigen Bertha werth, wenn ich mich so bevormunden ließe? --
Übrigens meinte Herr Kook, der Brautstand sei die schönste Zeit im menschlichen Leben, die man um keinen Preis verkürzen sollte; auch sei sie am geeignetsten, der künftigen Ehe eine edele Richtung zu geben, falls man sie sorgfältig dazu benutze. Welche ein herrlicher Freund ist doch der alte Kook.
( 172 ) Den 4ten Juli [November] 1839.
Br. Teichelmann, dem ich das gestern Vorgefallene erzählte, war sehr entrüstet über Pastor Kavel's Anmaßung, und meinte, ich dürfe sie [mir] meines Amtes halber nicht gefallen lassen.