Tagebuch Adelaide
Oktober 1839 - Januar 1840
Den 5ten Juli [November] 1839.
Br. Teichelmann sagte mir, er habe einen Brief an Pastor Kavel geschrieben, um ihn wegen seiner anmaßlichen Herrschaft über uns zur Rede zu stellen. Fürchtend, daß seine Gereiztheit das Schlimme noch schlimmer machen möchte, bat ich ihn, er möge doch wenigstens noch 8 Tage warten, bis man sehe, was für eine Wendung die Sache nehme; was er sich gefallen ließ.

Den 6ten Juli [November] 1839.
Mit großer Gespanntheit ging ich heute nach Klemzig, allein Herr Fiedler war nicht zu Hause, und ohne ihn mochte ich auch nicht mit Pastor Kavel reden, um so weniger, als Bertha selbst mir solches widerrieth. War nun mein Gang in so fern gleich vergebens, so hat mich doch Berha's Liebe reichlich entschädigt. Die erste Stunde zwar konnte ich mich der Traurigkeit nicht entledigen, welche der letzte Sonntag auf mich gemacht, allein sie wüßte dieselbe zu verjagen durch ihre Versicherung von ihrer Liebe und Treue. Pastor Kavel's Vorhaben, ihr Verhältniß zu Schlinke nach Deutschland zu berichten, erschien er [ihr] doch auch als ein Schimpf. Während der Stunde des Abends waren wir im Garten, Herrn Füssli allein lassend. Als ich nach Hause ging, begleitet sie mich ein Stück, wozu sie selbst den Vorschlag gethan [hatte]. O welch Glück ist es, zu lieben und geliebt zu werden; wir beide mußten gestehen, daß wir es nie so lebhaft gefühlt und es und früher nie vorgestellt [hatten], daß wir dieselben theilen würden, entschuldigte sich mit vieler unvorherge- ( 173 ) sehenen Arbeit und gab mir eine von ihm verfaßte Schrift zu lesen, überschrieben: "Entscheidung in der Klagesache des Herrn Schlinke gegen den Herrn A. Fiedler und dessen Tochter Jungfrau Bertha Teusler." Nachdem ich das Papier durchflogen, erinnerte ich Pastor Kavel, daß er mich hätte fragen sollen, ob ich von meiner Gesellschaft Erlaubniß hätte, mich zu verloben, was er eingestand. Gegen den zweiten Grund, der in dem Schreiben erwähnt ist, als könnten die Brüder in Deutschland an meiner Verheirathung Anlaß nehmen, erwiederte Ich: "das wohl schwerlich jemand von ihnen sich um meine Frau bekümmern dürfte; für ein so großes "lumen mundi [Licht der Welt]" hielte ich mich nicht, als daß ich solches erwarte."

Wie [ich] Pastor Kavel fragte, wann er an Dresden schreibe werde, antwortete er mir ganz unerwartet: Er werde nur schreiben, wenn ich ihn dazu auffordern [würde], Ich erwiederte: Ich würde ihn wahrlich nimmer mehr dazu auffordern, weil ich unmöglich dazu beitragen könnte, meine Braut öffentlichem Tadel auszusetzen. Doch hätte ich nichts dagegen, wenn er die Sache an Pastor Wermelskirch schriebe.

Darauf er: Die Nachgiebigkeit? wolle er noch üben. Doch auch diese nahm ich gleich darauf zurück, weil mir meine Braut vorwerfen könnte, ich hätte ihren Tadel befördert.

Das Schreiben bekam ich nicht mit, weil es noch nicht von Pastor Kavel selbst und von einem Ältesten unterzeichnet war. Am Fiedlerschen Hause traf ich gerade mit

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