Tagebuch Adelaide
Oktober 1839 - Januar 1840
Beile und wollte damit so eben auf seine Feinde einhauen, als ihm Br. Teichelmann und Herr Julius Fiedler, der gerade zugegen war, Einhalt that und ihm selbiges entwanden. Letzterer meinte überhaupt durch seine Dazwischenkunft den Streit verhindern zu können, aber er sah bald, was ich ihm [schon] vorher gesagt [hatte], daß ihm das ohne Feuergewehr nicht gelingen werde, abgesehen davon, daß es auch gar nicht ein mal weise sei.

( 199 ) Noch nie habe ich die Weiber einen so thätigen Antheil an ihren Schlägereien annehmen sehen, wie dieses Mal; sie machten nicht nur wie gewöhnlich ein fürchterliches Geschrei und schlugen mit ihren Stäben auf die Erde, sondern schlugen sich auch die Köpfe ganz blutig welches letztere namentlich von der Wirraanki* geschah. Itja mai itpinna, den ich nach der Endigung des Streits, welchen zwei sich nahende Polizeibeamten noch beschleunigten, sprach, erzählte mir, daß ehe die Weißen gekommen seien, die Schwarzen sogleich mit Speeren geworfen hätten, und zwar alle Mal je zwei auf beiden Seiten, und daß bei solchen Anlässen viele gefallen seien. Die feindliche Parthei, sagte er ferner, werde nun noch mehr Verstärkung holen und dann wollten sie sich gen Süden von der Stadt entfernen und ordentlich schlagen. Ich erwiederte, daß ich und Andere ihnen auch dahin folgen würden, was er mir wiederrieth, hinzufügend, er werde nicht fallen, er sei sehr stark und so weiter. Als ich ihm aber vorhielt, daß der Krieg sehr schlecht sei und daß die Streitsüchtigen in die Hölle kommen werden; ( 200 ) sagte er glatt ins Gesicht: das glaubten sie nicht, das sei nicht wa[h]r.

Wir erhielten heute einen Brief nebst einigen Nummern von dem „Anzeigenblatte“ und dem "Pilger aus Sachsen"(185) von Herrn Secretär Naumann(186), geschrieben vor 14 Monaten, nämlich am 19ten October 1838.

Den 22ten Dezember 1839. Sonntag.
Am Nachmittag besuchte ich meine theure liebe Braut. Sie war nicht nur wie immer liebenswürdig, sondern selbst voll brünstiger Liebe. Glücklicher, obwohl zufälliger, Weise fiel mir beim Blättern in "Lavaters(187) Liedern" das hübsche Lied in die Augen, welches die Überschrift trägt "Gebet zweier getrennter Liebenden"(188), und sich für unser Verhältniß ganz schickte. Bertha entfaltet nach allen Seiten mehr und mehr die Gaben ihres Verstandes und Herzens, möchte ich dieselben nie verkennen, sondern sie alle Augenblicke meines Lebens hoch schätzen und Bertha selbst so lieben, wie jetzt.

Seit dem unser Verhältniß ein erklärtes gewesen, hast Du, theure Braut, nie mich und meine Liebe verkannt, wenn Du aber nur einen Augenblick in meine Seele blicken und die ganze Tiefe und Wärme meiner Liebe sehen könntest, gewiß, Du würdest Dich selber wundern.

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