Tagebuch Adelaide
Oktober 1839 - Januar 1840
den Rücken herab rann. Sie wollten noch mit andern ihrer Freunde dasselbe wiederholen, indem sie ihnen die Waffe in die Hand gaben und ihren Kopf darstreckten, allein ein Dritter legte sich freundlich ins Mittel und verhinderte es. Frägt man nach der Ursache solcher dummer Gebräuche, so bekommt man zur Antwort: Kurror arrendi*, das ist "sich schämem", welches ich so auffasse, daß sie damit zeigen wollen, wie wenig sie sich vor Hieben und Schmerzen fürchten, obwohl kein Gefecht oder keine Schlägerei Statt gefunden hat. Welche Auffassung mir um so wahrscheinlicher ist, als einige den unterm 15ten dieses Monats erwähnten Tainmundaburka eben so schlugen, mit der Erklärung, Karro karretoai*, das ist "damit er sich nicht schäme".

Unter den heute angekommenen Wirramejunna war auch einer Namens "Capitain Mitchel"(184), von [dem] vor einiger Zeit die Nachricht an die hiesigen Eingeborenen kam, daß er die Frau eines Nor[d]mannes gestohlen und dann den Ehemann getödtet habe. Br. Teichelmann und ich warfen ihm das sogleich, wie wir ihn sahen, vor und er läugnete nicht nur nicht, sondern verstummte, als wir ihm sagten, daß der Mörder, als ein schlechter Mensch in die Hölle kommen werde, und gerieth offenbar in Angst, so daß er sagte, es sei ein schlechter ( 197 ) Nor[d]mann und nicht unser Landsmann gewesen. Hinzu kam nun noch, daß wir gleich darauf mit Itjamaiitpinna über ihn sprachen, wobei wir oft ihn und er uns mit ängstlichen Blicken ansah. Wirklich erzählte uns Itjamaiitpinna etwas sehr Nachtheiliges von ihm, nämlich daß er früher auch einen Weißen getödtet habe. Was hat in solchen Fällen der Missionar zu thun?

Den 21ten Dezember 1839.
Diejenigen Wirrameyunna, welche nicht schon gestern gleich zurück gekehrt waren, kamen meist alle heute Morgen wieder, aber nicht Capitain Mitchel, den sein schuldbeflecktes Gewissen in die Weite getrieben zu haben scheint. Einer der Fremden, der gestern von seinen Freunden so gehauen worden war, brachte den größten Theil des Tages bei mir zu, indem der Schmerz seiner fast einen Zoll tiefen Wunde im Kopf ihm nicht erlaubte, mit den andern in die Stadt zu gehen. An solchen neuen Ankömmlingen sieht man am deutlichsten, wie nachtheilig der Umgang mit den Weißen auf die Gemüther der Ureinwohner wirkt, indem selbige immer viel williger und bescheidener sind, als diejenigen, welche schon längere Zeit mit Eu- ( 198 ) ropäern in Berührung gestanden haben.

Diesen Abend war wieder Krieg, indem der Idla Waritja jetzt zum dritten Male versuchen wollte, sein Rachegefühl zu befriedigen. Die unmittelbare Veranlassung schien aber von unsern Leuten selbst aus zu gehen. Idla Waritja selbst und sein Bruder kam zu den unsrigen heran und der Streit begann damit, daß letzterer erst warf, und seinen Gegner ohne dessen Gegenwehr über die Platte hieb, dann aber regnete es so viel und so derbe Hiebe auf auf seinen Scheitel, daß er auf seinen Allerwertesten sank. So wie seine etwas zurück gebliebenen Freunde [dies] sahen, kamen sie angerannt und im Nu war die Prügelei allgemein. Wirraitpinna, sonst einer unserer besten Leute, griff nach seinem scharf geschliffenen europäischen

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