Den 27ten Dezember 1839.
Da ich heute etwas spät kam, so waren mehrere eingeborene Kinder schon ausgegangen; von den wenigen, etwa achten, die ich da hatte, kannten einige das A B C vollständig. Br. Teichelmann hat mir gestern alle Buchstaben des Alphabets auf Papier mit Tusche gezeichnet, welche ich einzeln auf kleine Brettchen geleimt habe; und da ich mir außerdem einige gefalzte Leisten auf meine Tafel genagelt habe, so kann ich die Buchstaben beliebig zusammen setzen; die letztern sind Druck- und kein Handschrift-Buchstaben.
[Und somit waren dies Lateinische Buchstaben und keine aus der Sütterlin Schrift.]
Den 28ten Dezember 1839.
An diesem Tage fand eine der größten Feierlichkeiten unter den Eingeborenen Statt, von der ich je Zeuge
gewesen bin, nämlich die Beschneidung von fünf Knaben. Der Anfang wurde damit gemacht, die jungen Leute zu
haschen, wobei die Weiber sich stellten, als wollten sie es nicht zugeben, und schrieen, während die Männer
lachten. Darauf führte man die Knaben an den
( 205 ) Ort, wo sie beschnitten werden sollten, und zwar mit verdeckten Augen, und an demselben angelangt werden sie auf die Erde gelegt und mit Kleidern zugedeckt.
Die Weiber und Kinder blieben während der ganzen Feierlichkeit unten im Flußbett, indem ihnen bei Verlust des Lebens verboten ist, dabei Zuschauer zu sein.
Es scheint, als wenn die Beschneidung einiger junger Leute in der Stille von den Alten abgekartet [heimlich vereinbart] zu werden pflege, denn nicht nur sind bei dieser Gelegenheit immer eine große Anzahl versammelt, (dies Mal betrug die Zahl der Männer, die dabei anwesend waren, nicht weniger als 75), sondern man hört auch nicht das mindeste vorher davon, wie doch sonst bei allen ihren Unternehmungen der Fall zu sein pflegt. --
Als nun die Knaben dalagen und man nach einiger Zeit geruhet und sich über den weiter zu nehmenden Gang der
Ceremonie besprochen hatte, begann eine Art Wettlaufen, welches die Ureinwohner
Turlo yakkandi* nennen und das in Folgendem besteht.
Ein Mann rennt stampfend und brummend auf einen andern los und umfaßt ihn von hinten. Der letztere, mit diesem Zeichen längst bekannt, legt alsbald seine Kleidung ab und fängt an, so mächtig zu rennen, als wollte er bis an der Welt Ende laufen; indeß von dem erstern und noch einem andern ( 206 ) beständig auf den Fersen verfolgt, läuft er nur so lange, bis er erschöpft ist, wo ihn alsdann jene beiden Verfolgenden, der eine bei den Schultern, der andre bei den Beinen fassend und ihn längs den zu beschneidenden Knaben ausgestreckt und auf dem Rücken niederlegen und seinen ganzen Leib mit Staub bedecken.