Den 9ten Januar 1840.
Ich besuchte heute wieder meine Braut, die emsig mit meiner Wäsche beschäftigt war. Sie würde, wenn ich nicht gekommen wäre, in die Abendstunde gegangen sein, aber so blieb sie da. Unsere Verlobung wünscht Herr Fiedler noch aufzuschieben, weil er zur Ausrichtung derselben kein Geld noch habe. Meine theure Braut hat mir heute erlaubt, sie, wenn wir allein seien, mit dem traulichen Ausdrucke "Du" anzureden.
( 215 ) Den 10ten Januar 1840.
Herr Bauer, dem ich sagte, daß Pastor Kavel ihn wegen des Verdachts seiner Verbindung mit Frau Milde von der Pathenschaft ausgeschlossen [habe], sagte zum Beweise der Klatschhaftigkeit der Klemziger, daß Herr Julius Fiedler Dinge von einer mich nahe angehenden Person gesagt habe, die er nicht einmal in den Mund nehmen möchte.
Den 11ten Januar 1840.
Heute war ich so glücklich, von meiner lieben Braut besucht zu werden, indem sie mir meine Wäsche brachte. Während ihr Bruder August, der sie und die Wäsche hergefahren [hatte], den Umweg über die Brücke machte, verweilten wir in meinem Hause und gingen dann geraden Weges Arm in Arm nach der Stadt, wo ich ihr zwei Paar Strümpfe schenkte. Da wir uns ziemlich lange im Laden aufhielten, so war August fortgefahren, so daß wir im Sturmschritt nach der Pfenderschen Hütte in Nordadelaide, wo er noch etwas auf zu laden hatte, eilen mußten.
Den 12ten Januar 1840. Sonntag.
Heute sind sämtliche Südleute und die meisten Waldmänner (
Patparnejunna* und Wirramejunna) gen Süden auf die Jagd gegangen, die letzteren von den ersteren eingeladen. Dies thut mir um so mehr leid, als nun meine Schule fast ganz fort ist, wenigstens die Kinder, welche am regelmäßigsten kamen am weitesten vorgeschritten waren. Nicht nur ihr schnelles Fassen der Buchstaben und so weiter, sondern auch ihre Freude und Theilnahme an der Erzählung biblischer Geschichten wie zum Beispiel Josephs, machten mir viel Vergnügen und
( 216 ) machte mir nicht wenig Ermunterung, aber es ist nun zu sehr zu besorgen, daß auf der Wildbahn auch ihr Gemüth wieder ganz verwildert und das Gelernte vergessen werde.
Den 13ten Januar 1840.
Meine Bertha, die ich heute zu besuchen versprochen [hatte], klagte, daß ihr der Nachmittag so lang und so bange geworden [sei], weil ich so lange ausgeblieben sei. Wie meine, so nimmt ihre Liebe täglich zu; auf meine Frage, ob es nicht schön sein würde, so ungestört, wie wir in dem Augenblick waren, die Abende in Encounter Bay zuzubringen, gab sie ein so sehnsüchtiges "Ja" zur Antwort, daß ich vergeblich versuchen würde, es zu beschreiben. Bertha bat mich inständigst, mit ihr in die Missionsstunde zu gehen, so gern ich ihr zu Gefallen gewesen wäre, so unmöglich war mirs.