Tagebuch Adelaide
Januar 1840 - Juni 1840

Ich: daß zu einer glücklichen Ehe blos erfordert werde, daß beide Theile mit Ernst ihr Seelenheil suchen. Zugleich deutete ich darauf hin, daß ich zwar allen billigen Bedingungen mich unterwerfen, aber unmöglich wider mein Gewissen handeln und Irrthümer billigen könnte.

Sie meinte selbst, ich würde wohl nicht umkehren, andeutend, es sei besser, daß wir gleich unsere Verbindung aufgäben.

Wie dies mein Herz durchschnitt, drücken Worte nicht aus, überhaupt verwirrte mich die Erklärung so, daß ich alles Nachdenken verlor.

( 226 ) Bald darauf kam Herr Fiedler herein, den ich zur Theilnahme an unserm Gespräche, und Bertha zur Wiederholung dessen, was wir gesprochen, aufforderte.

Er sagte, daß er schon seit einiger Zeit mit Betrübniß aufgenommen [habe], daß Pastor Kavel und ich nicht [überein]stimmten. daß er auch am Sonntage aufs neue gehört, daß ich die öffentliche Beichte verwerfe, da wir aber doch beide Lutheraner sein wollten, so müsse ich im Irrthum sein; er habe es seiner Tochter, die zwar nur seine Stieftochter sei, die er aber wie seine eigenen Kinder ansehe, und deren Auswanderung ihn viel Mühe gekostet habe, vorgehalten und ihr gesagt, daß unter solchen Umständen unsere Heirath nicht angehe. Außerdem warf er mir vor, daß ich den Klemziger Gottesdienst meide, indem ich nie Vormittags käme und die Abende ihn noch nie besucht habe.

Ich: daß Pastor Kavel und ich nicht [überein]stimmten, sei klar, allein es sei die Frage, bei wem der Irrthum sei, bei der öffentlichen Beichte sei derselbe bei Kavel, nach meiner Meinung, und so lange ich nicht des Gegentheils überführt sein würde, müßte ich Gewissens halber bei dieser Behauptung bleiben. Daß ich auch persönlich von Pastor Kavel beleidigt worden sei, wisse er selber sehr gut, und habe er meine Briefe an Kavel gut geheißen.

[Fiedler:] Vielleicht hätte er es widerrufen, wenn ich mit ihm darüber gesprochen [hätte];

Ich: gesprochen hätte ich mit ihm und er habe mir erklärt, er würde nicht anders gegen mich gehandelt haben, und wenn ich Dr. Luther wäre.

( 227 ) Es wurde abgemacht, daß wir, Kavel und ich, uns über die Sache besprechen sollten; ich weiß nicht, woher, aber mein Herz empfand nach dieser Unterredung einige Ruhe. Bertha war unterdeß hinaus gegangen und als sie wiederkam, fragte sie mich, was wir mit einander abgemacht [hätten]; Ich: nichts als daß ich mit Pastor Kavel sprechen solle. Ich bat sie um einen Kuß, den sie mir verweigerte, eben so, wie sie sich nicht auf ihre alte Stelle setzen wollte. Ich fragte sie, ob sie mit ihren heiligsten Gefühlen spielen könnte?, worauf sie erwiederte,

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