Tagebuch Adelaide
Januar 1840 - Juni 1840
seine Frau speeren wollen, sondern hatte wirklich einen Speer nach den Wirrameyunna, die die Schandthat begangen [hatten] geworfen. Die letztern, welche anfangs geflohen waren, kamen am Morgen herausfordernd zurück, doch gab es keinen Streit. Die Weiber scheinen nach diesem Vorfall zu urtheilen, thätige Werkzeuge bei solchen Verleihungen zu sein und von den Männern als Kupplerinnen geschickt zu werden.

O wie tief steht dies Volk in sittlicher Beziehung; wann wird die Zeit kommen, daß sie wiedergeboren werden von ihrem gottlosen Wesen zu dem guten und frommen Gott? -- Er allein weiß es.

Die schmerzlichsten Stunde, die ich noch in Südaustralien em- ( 224 ) pfunden [habe] mußte ich heute in Klemzig, und bei Leuten verleben, wo ich sonst nur Freude zu genießen gewohnt war. Herr Fiedler, den ich gerade vor dem Hause beschäftigt antraf, empfing mich mit mehr Achtung und weniger Vertrauen als sonst, Bertha, die allein im Hause war, schien mehr befangen und verlegen, doch nahm sie einen Kuß an. Die Verlegenheit einer andren Ursache zuschreibend, ließ ich mich nicht stören, und selbst als sie auf meine Erkundigung nach ihrem Befinden mir sagte, ihr sei seit wenigen Tagen unwohl, ja selbst als sie hinzu sagte, ihre Krankheit sei ganz eigener Art, war ich nicht vorbereitet auf das, was folgte, da ich dachte, ihre Krankheit möchte heimlicher Natur sein. Als sie mir aber auf meine Frage, was es Neues gäbe, die Antwort gab: Recht viel, nämlich daß unser Verhältniß nicht länger so fort bestehen könne, bis ich mich mit Kavel und der Gemeine versöhnt habe und die Anordnungen der letzteren gut hieße: da merkte ich, daß ich nicht mehr in dem rechten Sattel säße. Geneigter mich für träumend, als Berthas Rede für ernsthaft zu halten, sagte ich zu ihr, sie scherze, auf sie zugehend. Als sie aber erwiederte, das Scherzen liege ihr ziemlich fern und Zeichen des Unwillens über meine Zutraulichkeit von sich gab; als sie mir sagte, das Vertrauungswort "Du" könne sie heute nicht beibehalten, als sie mich, wie ich sie darauf ins Auge faßte, mit einem Blick ansah, der von aller Liebe entblößt zu sein ( 225 ) schien: da wurde ich mir endlich meiner Lage und meines Verlustes bewußt.

Um mich von dem ersten Eindrucke, der gleich einem Donnerschlage auf meine Seele wirkte, einigermaßen zu erholen, ging ich für einige Augenblicke in die nächste Stube, setzte mich aber bald darauf wieder zu Bertha, um zu erfahren, was ihre unerwartete und befremdende Erklärung veranlaßt habe. Sie sagte, ihr Vater hätte etwas von unserm letzten Gespräch über die öffentliche Beichte mit angehört und vorgestern mit ihr darüber gesprochen; was der ihr gesagt [habe], halte sie für richtig, sie könne sich von der Gemeine unmöglich trennen, was doch geschehen würde, wenn ich mit ihr nicht stimmte.

Ich: Es sei mir nie eingefallen, sie von der Gemeine zu trennen;

Sie: daß es dann traurig für sie sein würde, wenn wir nicht übereinstimmten:

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