Tagebuch Adelaide
Januar 1840 - Juni 1840

O gebe Gott, daß meine Besorgniß falsch sei; aber Bertha, Bertha! wie konntest Du so rasch Dich ändern, wie unsere Verbindung auf ein ungewisses Entweder - Oder stellen, von dem Du noch dazu glaubst, daß es gegen uns ausfallen werde? Sage mir, worauf hast Du bisher Deine Liebe zu mir gegründet, und was konnte so schnell jenen Grund einreißen. O wie hast Du mich so tief betrübt, so herzlich traurig gemacht; komm wieder und schenke mir Dein Herz wieder, dann wird mein Herz wieder fröhlich werden.

Gott, mein Vater, laß nicht zu, daß mir mein eigen Leben, meine einzige Freude und meiner Augen Weide, laß nicht zu, daß mir meine liebe Braut entrissen werde. Amen.

( 230 ) Während meiner Abwesenheit hatte Muleakaibekka seine Frau gespeert und geschlagen, man weiß nicht, aus welcher Ursache, vielleicht, weil sie ihm die von ihm verlangte Speise versagt hatte. Sie war seitwärts im Rücken getroffen, und leidet so sehr an der Wunde, daß sie nicht gehen kann.

Den 1ten Februar 1840.
Überwältigt von dem Eindruck von vorgestern, ward ich gleich etwas unpass, allein heute wurde mir so unwohl, daß ich nur in kurzen Zwischenräumen mit Mühe auf sein konnte; zu diesem äußeren kam nun noch das neuere Leiden, das an meiner Seele nagte, so daß mir sehr bange war. Ich rief zu dem Herrn, aber er wollte mich noch nicht hören.

Den 2ten Februar 1840. Sonntag.
Diesen Abend, wie ich recht klar über den Vorfall nachdachte, ward mir äußerst bange, ich griff nach der Bibel und las, was mir vorkam und fand große Beruhigung in dem Worte Davids

"Was betrübst Du Dich, meine Seele! und bist so unruhig in mir".

Den 4ten Februar 1830.
Noch zweifelhaft , aber doch hoffend, meinen heimlichen Kummer abzuschütteln, ging ich heute nach Klemzig. Bertha war mit ihrer Wäsche beschäftigt, und schien mich auch mehr zu meiden als zu suchen, so daß ich fast den ganzen Nachmittag allein sitzen mußte. Wie endlich gegen Abend Bertha herein kam, o wie stieg da die Noth meines Herzens! Keinen Kuß wollte sie mir ( 231 ) geben, sie erklärte mir, sie habe wenig Hoffnung, daß wir einander noch besitzen würden, und wenn die Versicherungen von Liebe und Treue, an die ich sie erinnerte, nicht wären, so würde sie sich schon entschieden haben, nämlich mich aufzugeben. Verstimmt fast und doch auch halb an der Ernsthaftigkeit dieser Erklärung zweifelnd, obwohl sie stets behauptete, sie spreche vom Herzen, blieb ich mir mehr gleich, als ich von mir selbst jetzt erwartet hätte.

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