einem Tone, der mich vernichtete. Ich erinnert sie an meinen vorletzten Besuch und ihre gemachten Versicherungen, wobei ihr offenbar ängstlich ward, wie sie auch nicht läugnete, nur leider setzte sie hinzu, daß sie während der ganzen Zeit unserer Verbindung etwas Ungewisses gefühlt habe. Als bald hierauf Herr Fiedler hereinkam, sprachen wir gemeinschaftlich von der Sache, und ich erklärte, daß ich meine Hoffnung nie aufgeben werde, Hoffnung ließe nicht zu Schande und dergleichen. Doch blieb
( 247 ) Bertha bei ihrer Aussage. Wie sie heraus ging, stürzten Thränen aus meinen Augen, noch mehr herausgetrieben durch die Mittheilung Fiedlers, daß Bertha, als er ihr ihre Unbeständigkeit und ihren Leichtsinn vorgehalten [hatte], gesagt [habe], ihre Liebe sei erkaltet; und, setzte Fiedler hinzu, zwingen will ich sie nicht, aber ich halte es für Leichtsinn. Das beste, und was mir ein[en] schwachen Funken von Hoffnung übrig ließ, war, daß Bertha sagte, sie könne sich in einem Nachmittag nicht entschließen. Wie ich weg wollte, bot mir Herr Fiedler Geld an, welcher Umstand mich fürchterlich schmerzte, weil ich mich des Gedankens nicht erwehren konnte, daß man sich in dem Fiedlerschen Hause mit mir abfinden und dann dann nicht weiter um mich kümmern wolle, obschon Fiedler daran nicht denken mochte. Ich kann nicht sagen, vielmehr nicht beschreiben, welchen Schmerz ich empfunden [habe], und wie viel Thränen ich vergossen [habe], noch auf dem Rückweg und später zu Hause. Br. Teichelmann, der den Abend bei mir verweilte, war Zeuge von dem heftigen Ausbruch meines Seelenschmerzes, bedauerte mich und suchte mich zu trösten. Allein nichts wollte hafften, nichts mochte ich hören, als die Hoffnung, daß Bertha noch mein werden könne. Und welche Versuchung[en] stürmten auf mich ein! --
Ich fing an zu zweifeln an der göttlichen Vorsehung und der Treue des Menschen, ich erschrak und zitterte vor der Zukunft, die ich unter solchen Zweifeln und noch dazu in einem heiligen Amte verleben sollte. Ich fühlte mich von Gott und Menschen vergessen und verlassen, mir selbst eine Last.
( 248 ) Den 23ten Februar 1840. Sonntag.
Ich schlief unruhig und mit vieler Unterbrechung, während welcher mir der theure Name Bertha immer auf der Zunge lag, aber nur um mich zu ängstigen. Am Morgen war die heftige Erregung nicht mehr, aber dafür eine große, ängstliche, unbestimmte Bangigkeit; während des Gottesdienstes hatte ich wenig Andacht, und wie ich nach Beendigung desselben in mein einsames Haus zurückkehrte, ergriff mich wieder ein so heftiger Schmerz, daß ich die Feder ergriff, um ihn in einem Briefe an Bertha auszuschütten, was in einer Zeit von einer guten Stunde geschehen war. Ich betete in dieser Lage, wenn nicht tüchtig, [so] doch inbrünstig, allein nur um den Besitz Bertha's und ohne Trost für meine Seele. Gegen Abend brachte mir mein Bote einige Zeilen von Bertha zurück, so voll von Höflichkeit, daß sie meinen Schmerz zu lindern nicht geeignet waren. Meine Unterredung mit Br. Teichelmann war der Art, daß er mich vor sündlichen Äußerungen warnte.