Tagebuch Adelaide
Januar 1840 - Juni 1840
Den 24ten Februar 1840.
Heute sollte ich nun wieder arbeiten, Schule halten; aber wo war die Lust und Liebe, die ich sonst gefühlt hatte? --

Ich nahm das Cruzifix, welches mir die Hahndorfer geschenkt [hatten], ging damit in den verschiedenen Hütten herum und redete zu den Eingeborenen von Christo, wobei sie sehr aufmerksam waren und mir die Thränen rannen. Während des Tages versenkte ich mich wieder in meinen Gram, und schrieb Abends, nachdem Herr Bauer und Br. Teichelmann ( 249 ) fort waren, an Pastor Kavel, um mein belastetes Herz zu erleichtern und ihn zu bitten, zu thun für mich, was er könne, um meinen großen Verlust abzuwenden.

Den 26ten Februar 1840.
Nachdem ich bisher sehnlich auf einen Brief von Bertha gewartet [hatte], konnte ich mich endlich nicht mehr enthalten, sie zu besuchen. Ich hatte seit gestern Abend eine freudige Hoffnung empfunden, daß ich sie nicht verlieren werde, und diese begleitete mich auch bis nach Klemzig. Leider traf ich nur Mathilden zu Hause [an], und Bertha mit der großen Wäsche beschäftigt, doch kam sie herein, trank Kaffee mit mir und blieb selbst länger als ich gehofft hatte. Der Vater war nach Neuschlesien gegangen, so hatten wir eine gute Gelegenheit, uns ungestört zu sprechen. Sie blieb dabei, daß sie bisher den Willen Gottes noch nicht erkannt [habe], auch keine Liebe fühle, allein ihr Benehmen war freundlich und im Ganzen der Art, daß es mich alles hoffen läßt. Sie hatte an meinem Briefe hauptsächlich auszusetzen, daß ich sie am Schlusse aufgefordert [hatte], um meinen Tod zu bitten, doch wollte sie nicht, daß wir ihn zerstören sollten. Sie hatte mir am Montage einen Brief geschrieben, worin sie sich noch 14 Tage Bedenkzeit ausgebeten hatte, sie wollte mir ihn aber nicht zeigen. Ich konnte sie weder zu einem Kusse, noch zu ( 250 ) der Anrede "Du" bringen, aber auf meinen Schoß hätte sie sich gesetzt, glaube ich, wenn sie Zeit gehabt und sich nicht geniert hätte.

Wir sprachen übrigens sehr ernst und christlich mit einander, und kamen überein, sehr fleißig zu beten, daß, wenn es Gottes Wille sei, er ihr diese Überzeugung verleihen und ihr die alte Liebe schenken wolle. Das Vergangene, sagte Bertha, sei ihr wie ein Traum. Zu dieser mir beinahe unerwarteteten Gestaltung der Dinge schien nicht wenig meine Nachricht beigetragen [zu haben], daß Pastor Kavel gesagt [habe], er hätte unser Verhältniß noch nie mehr als jetzt für Gottes Wille gehalten, er wolle an Fiedler in Bezug auf mich schreiben und daß wir beide so brüderlich wieder vereint seien. Auf Bertha's Frage, warum Gott diese Störung herbeigeführt [habe], antwortete ich meine Herzensüberzeugung, um uns und namentlich mich wieder zu sich ziehen und mit meinen Glaubensbrüdern zu vereinigen. Mir schien, als billige sie dies.

Ich brachte einen großen Theil des Nachmittags bei Fritz Kavel zu, wie ich nun noch durchs Haus ging, bekam ich wider Erwarten Bertha nochmal zu sehen. Ich

Seite zurück
zur Gesamtübersicht "Clamor Wilhelm Schürmann"
Seite vor