Tagebuch Adelaide
Januar 1840 - Juni 1840
andere, wie Kadlitpinna, sagten, es sei eine alte Sitte bei ihnen, die neugeborenen Kinder, wenn sie klein und schwach seien, zu tödten, und läugneten die Schlechtigkeit einer solchen Handlung; sogar hartnäckig war Kadlitpinna, daß er, als ich ihnen vorhielt, Jehova werde solche Mörder in die Hölle stoßen, sagte, das mache nichts aus, Gott möge ihn immer in der Hölle braten. Kauwadlawaringa* benutzte gleich unsern Unterricht von der menschlichen Seele, indem er mich damit widerlegen wollte, daß die Seele keinen Körper, also auch kein Gefühl hätte. Über alle Vorstellung entsetzlich ist die Versunkenheit der Eingeboren, wenn man bedenkt, daß die meisten Mütter ohne Hehl [Geheimnis] und mit der unnatürlichsten Frechheit und Keckheit bekennen, daß sie ein oder mehrere ihrer Kinder getödtet haben. Auf die Frage, warum, antworten sie, sich getrost damit rechtfertigend, weil das vorhergehende Kind noch jung gewesen, und damit sie besser wandern könnten. Einige indeß suchen es zu läugnen, und geben, wie zum Beispiel im obigen Falle vor, das Kind sei todt oder verfault gewesen, oder sei bei der Geburt todt gefallen [aus der Hocke auf dem Boden aufgeschlagen] und so weiter.

Gott erbarme sich dieser Versunkenen. Amen.

( 255 ) Den 8ten März 1840. Sonntag.
Heute genossen wir unsrer 5 wieder das heilige Abendmahl, wobei ich viel Erbauung und Trost in meiner großen Bekümmerniß hatte.

Abends gingen Br. Teichelmann und ich zusammen zu den verschiedenen Lagern der Eingeborenen und redeten mit ihnen von Gott und seinen Werken, sowie von dem zukünftigen Schicksale der guten und bösen Menschen. In einigen trat uns ihr Glaube an die Seelenwanderung hindernd entgegen, andere indeß schenkten uns Glauben und waren aufmerksam. Ich versuchte diesen Morgen, die Eingeborenen zum Anhören der christlichen Wahrheiten zu versammeln, es kamen aber nur einige und selbst deren Aufmerksamkeit zu fesseln ward schwer; doch haben sie versprochen, von jetzt ab alle Sonntage sich zu versammeln, Noch immer ist die Sprache ein großes Hinderniß, aber es muß doch endlich, wenn auch in großer Schwachheit, der Anfang gemacht werden, und sofern die christliche Lehre Geschichte ist, kann man ihnen doch dies und jenes verständlich vortragen.

O Jesu!
der Du uns hieher gesandt, Du wolltest uns Mund und Zunge, Kraft und Weisheit sein, zur Verkündigung Deines herrlichen Evangeliums.

Den 9ten März 1840.
Der Kummer meines Herzens über den Verlust meiner theuren Bertha war die ganze vorige Woche über niederdrückend und so groß gewesen, daß ich zu ( 256 ) meinen gehäuften und nöthigen Arbeiten untüchtig war. Die verflossenen Nacht träumte mir, meine Braut habe mir einen Brief geschrieben, worin die Worte vorgekommen seien: "Mein Herz ist treu, treu, treu." Von diesem Traume, wie von

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