Tagebuch Adelaide
Januar 1840 - Juni 1840
Am frühen Morgen hatten die Pitta*, denen sich andere Stämme anschlossen, ein Spiel genannt Kuruanko*, bestehend in dem Entwinden einer Handvoll Strausfedern, die einer in der Hand hat. Zuletzt wurde ein so ernster Zank aus diesem Spiel, daß von beiden Seiten 4 - 5 Speere geworfen wurden.

Abends mit Br. Teichelmann bei Prediger Stow, der uns sagte, er habe in Erfahrung gebracht, daß einige von unsern Brüdern auf dem Wege hieher seien. Vielleicht von Gossner(204) gesandt?

Den 4ten März 1840.
Ich schrieb an Bertha, daß ich von Pastor Kavel einen Brief und wahrscheinlich Aufschluß über den eigentlichen Grund ihres Rücktritts erhalten [hätte], begleitet mit der Wirkung desselben auf mich und andere Gedanken. Ich bekam in einem kleinen Zettel von Bertha zur Antwort, daß sie sich wundere, daß mirs so schwer falle zu beten: Herr, Dein Wille geschehe! mit der Bitte, sie von jetzt ab ganz ruhig zu lassen; da sie noch einige Zeit brauche, um sich in Ihrem Entschlusse ganz zu befestigen. Ich hatte einen traurigen, sehr angstvollen Abend. Br. Teichelmann und ich beteten gemeinschaftlich, doch nicht über meine Angelegenheit.

( 253 ) Den 6ten März 1840.
Heute Morgen hatten die Eingeborenen einen Zank, der am Abend zu einen so heftigen Streit wurde, daß ich fürchtete, er würde nicht ohne ernste Folgen abgehen. Die Veranlassung dazu war, daß ein Wirrameju, Namens Yurinna, die Frau des Ngauwaitpinna* misbraucht [hatte], was der letztere an dem ersteren rächen wollte. Er wäre auch wohl kaum mit dem Leben davon gekomen, wenn nicht seine Landsleute ihn kräftig geschützt hätten; während des Streits suchte Kadlaitpinna des Yurinna Frau zu entführen, wie es schien, als Vergeltung für seine Unthat, indeß wurde sie ihm von einem andren wieder abgejagt. Gegen Ende des Streits ließ sich der Yurinna von Ngauwaitpinna freiwillig einen derben Schlag mit der Katta auf den Kopf versetzen; wozu?

Da die Wirramejunna für berühmte Zauberer (Nurullurrulla*) gehalten werden, so glaubte man allgemein, daß Yurinna und seine Freunde das Wasser im Fluß bezaubern würden, so daß eine große Aufregung deshalb entstand. Die Marimeyunna dagegen werden für die Hervorbringer des Regens und Hagels gehalten.

Den 7ten März 1840.
Heute machte ich die schaudernde Erfahrung, daß Mullawirrabukka's jüngste Frau, Kauwadla*, am

( 254 ) 21ten Februar 1840, während ich in Hahndorf war, ein Kind geboren und selbiges gleich ermordet habe. Ich ging sofort zu den Eingeborenen und hielt ihnen die Schändlichkeit solches Mordes vor, aber einige lachten, andere zürnten, noch

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