Tagebuch Adelaide
Januar 1840 - Juni 1840
( 258 ) Den 18ten März 1840.
Voraus setzend, daß Pastor Kavel mit meiner Braut gesprochen haben würde, ging ich wieder nach Klemzig. Bertha sagte mir in allgemeinen Ausdrücken, was er ihr gesagt [hatte], und von Pastor Kavel erfuhr ich, daß der Grund von Bertha's Rücktritt nach ihrer eigenen Aussage der sei, daß sie nie die geringste Erbauung an mir gehabt, daß ich ihr stolz zu sein scheine, indem ich es ihr übel genommen [hätte] daß sie sich mit andren Mädchen im Dorfe "Du" nenne, und daß auch die Erinnerung an die Schlinkesche Angelegenheit sie beunruhige. Sie hatte nicht vergessen hinzuzufügen, daß ich es ihr ein Mal verweigert [hatte], mit ihr in die Missionsstunde zu gehen; sie hatte gemeint, wenn sie mich wieder lieben solle, das fühle sie deutlich, so müsse Gott die Liebe wieder in ihrem Herzen wirken; daß sie mir Versprechungen gethan, die sie nicht ohne Sünde zurücknehmen könne, sähe sie ein, allein von zweien Übeln müsse man das unschädlichste wählen. Seine, Pastor Kavel's, Meinung, die er gegen sie ausgesprochen [hatte], war ziemlich dieselbe gewesen, obwohl er ihr auch gesagt, daß sie es vielleicht würde bereuen. Ich erwähnte, die Heiligkeit der Versprechungen in solchen Fällen, allein er berief sich auf ihr neues Verlobungsgesetz(205) und deutete meine Schriftstelle auf den schon eingesegneten Ehestand. Pastor Kavel suchte mich damit zu trösten, daß es mir doch selbst eine Qual sein müßte, eine liebeleere melancholische Frau ( 259 ) für mein Leben zu haben; obwohl er selbst sagte, er sehe nicht ein, daß unsere Trauung Gottes Wille sei und daß sie hätte kommen müssen.

Er ging, nachdem wir mit einander gebetet [hatten], mit mir zu Kappler(206), dessen Sohn Gottfried(207) ich miethete; von da gingen wir noch in Fiedlers Haus, da es aber dunkel ward und meine Briefe und sonstigen Arbeiten nach Europa mich drängten, so mußte ich nach Hause und noch dazu, ohne von Bertha, die gerade abwesend war, Abschied nehmen zu können. Mein Herz war sehr traurig und fand kaum einen Anhaltspunct;

O wie hart hast Du mich gezüchtigt, mein lieber Gott; wie viel hattest Du mir geschenkt, und hast Du mir wieder genommen?

Den 23ten März 1840.
Theils, um Bertha's jetzigen Gemüthszustand zu erfahren, theils um dem Fräulein Pennyfeather(208), die am letzten Freitag angelangt war, meinen Besuch abzustatten, ging ich abermals nach Klemzig. Da ich mit meiner Braut wenig sprechen konnte, so ging ich bald zu der letztern, die ich sehr niedergeschlagen und muthlos antraf, weil Pastor Kavel sie gleich den folgenden Tag verlassen hatte und sie nicht die Vorbereitungen und Bequemlichkeit angetroffen [hatte], die sie erwartet hatte, Ich suchte sie nach Vermögen aufzurichten, aber es ging mir eben wie ihr und noch trauriger. Sie rühmte meine Braut, namentlich auch ihren christlichen Ernst und sie freue sich über ihren Umgang um so mehr, als sie ziemlich englisch verstehe. Wie ich zurück kam, sprach ich nicht sehr lange mehr mit Bertha, doch sagte ich ihr, daß sie mich müsse mißverstanden haben, wenn sie mir Stolz beigemessen [hätte],

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