Tagebuch Adelaide
Januar 1840 - Juni 1840
( 267 ) Den 13ten April 1840.
Heute kam mein Knabe, Johann Gottfried Kappler zu mir; ich fürchtete, er würde Bertha's Abschiedsbrief bringen, was jedoch nicht der Fall war. Br. Teichelmann, der einiges Mitleid mit mir zu haben schien, war gegen Abend ohne mein Wissen nach Klemzig gegangen.

Den 14ten April 1840.
Gegen Morgen, wie ich gerade damit beschäftigt war, an meine theure Braut einen umständlichen ruhigen Brief zu schreiben, kömmt Br. Teichelmann zu mir und sagt, er habe gestern in Klemzig erfahren, daß ich in meinem Leide nicht auf Gott, sondern auf Menschen vertraue, und mich dadurch selbst schlage. Wie ich fragte, wie so? erzählte er, Herr Fiedler habe ihm gesagt, daß ich die Miß Pennyfeather beauftragt [hätte], auf Bertha einzuwirken, was sowohl die leztere, als auch er selbst, mir sehr übel nahm. Miß Pennyfeather habe solches selbst zu Bertha gesagt, und weil sie es vorher gewußt [hatte], sey sie absichtlich am Sonntag Nachmittag nicht gekommen.

Der Schmerz, den diese Nachricht in mir hervorbrachte, und die Art und Weise, wie Br. Teichelmann sie mir mittheilte, noch erhöhte, war gränzenlos. Auch das mußte noch hinzu kommen, solches Mißverständniß, solche Verkennung und welche ein unerbittliches böses Geschick, sei es von Gott, sei es von Menschen, sei es vom Teufel, welcher Unstern verfolgt mich?

( 268 ) Übrigens meinte Br. Teichelmann, nach dem Eindrucke, den er sowohl bei Pastor Kavel als auch [bei] Herrn Fiedler bekommen [habe], könnte ich nur alle Hoffnung aufgeben, doch wolle er mir meine Hoffnung auf Gott nicht nehmen. Pastor Kavel hätte gesagt, er könne Bertha nicht zu einem Jawort rathen, wenn sie mich nicht liebte, dasselbe Herr Fiedler, der hiezugesagt [hatte], er hätte gegen mich nichts, nur hätte ich sollen die Stunden nicht unbesucht gelassen haben. Seine Meinung sei, daß ich Bertha durch mein Stürmen mir nur auch mehr entfremdet hätte.

O welche ein verlassener rathloser Mensch bin ich, ist doch keiner, der mir unter die Arme greift, der mir räth, mich tröstet, mit mir trägt.

O mein Gott und Herr, sei Du mein Fels und mein Hort und verlaß doch Dein schwaches geschlagenes Kind nicht.

Ich las Br. Teichelmann vor, was ich an Bertha geschrieben hatte und da er es misbilligte, zerriß ich es und steckte es ins Feuer. Dann schrieb ich einen andern Brief an Bertha, zur Erklärung dessen, was Herr Fiedler einen Auftrag an Miß Pennyfeather genannt hatte, auf Bertha einzuwirken. Diesen Brief schickte ich durch meinen Knaben, zu dem Bertha gesagt, sie wolle ihm, wenn sie Zeit zum Schreiben habe, einen Brief an mich mit geben; indeß brachte er keinen.

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