Tagebuch Adelaide
Januar 1840 - Juni 1840
müsse erst mit Bertha sprechen, um zu erfahren, ob das Hinderniß gehoben sei, daß ich selbst gut wisse, in welchem Falle er ihr sagen würde, daß sie bei ihrem Versprechen bleiben solle, so ging ich auch hier leer und trostlos weg.

Wie ich gehen wollte, erbot sich Miß Pennyfeather, mich ein Stück Weges zu begleiten und indem wir durchs Dorf gingen, sagte sie mir, daß sie Bertha zum Nachmittage eingeladen [habe], daß diese aber ausgeblieben sei, meinethalben, wie sie glaube. Sie ging mit mir in Fiedlers Haus und forderte ohne mein Wissen Bertha auf, uns zu begleiten; sie schien abgeneigt zu sein, gab aber doch zuletzt nach. Sobald wir aus dem Dorfe waren, fragte ich, ob die Damen nicht meinen Arm nehmen wollten, worauf Miß Pennyfeather gleich meinen rechten Arm nahm. Ich bot also Bertha den linken, aber sie schlug ihn aus und nahm ihn erst dann, als Miß Pennyfeather zu ihr sagte, das sei ungütig, wir könnten uns doch wenigstens als Christen gegenseitig lieben. Ich fragte sie nun abermals, ob es nicht möglich sei, mir ihr Herz wieder zu schenken und mir ganz zu vergeben? sie sollte sich doch erinnern unserer alten Liebe und unserer gegenseitigen Versicherungen, einander glücklich zu machen, sie solle doch Barmherzigkeit an mir üben.

( 266 ) Sie aber wiederholte, sie könne nicht mehr lieben, und ich würde gestern schon einen Brief von ihr erhalten [haben], wenn sie nur jemand gehabt hätte, der mir ihre völlige Entscheidung würde mitgetheilt haben. Ich sagte dann, daß ihr Gewissen wegen ihrer frühern Verbindung beunruhigt sei, weshalb ich sie sehr bedaure, und ob sie glaube, daß ich früher diese Angelegenheit nicht von der Seite mit ihr besprochen [hätte], wie ich hätte sollen? Leider sei das nicht geschehen, war ihre Antwort. Bertha meinte, darin thäte sie nicht unrecht, daß sie mir ihr Versprechen zurücknähme, wohl aber hätte sie damit unrecht gethan, daß sie mir ihr Versprechen gegeben [hätte].

Beim Weggehen sagte sie, ich müsse ihren Brief erhalten, auf welche Weise es auch sei. Ich bat sie um Gottes Willen, sie solle es nicht thun, sie solle mich nicht ohne Barmherzigkeit vernichten. --

Sie antwortete mir nicht, aber schon vorher hatte sie mir gesagt, daß mein Zustand kein Mitleid in ihrem Herzen erwecke. Bertha sagte, wenn sie wüßte, daß ihr Vorhaben Gott misfällig sei, so wollte sie es nicht ausführen.

O wie bin [ich] so sehr geschlagen, so tief betrübt, wie schwer liegt die Hand Gottes auf mir.

Weinend und seufzend, hoffend und verzweifelnd, zuweilen nach-sinnend, zuweilen gedankenlos, ging ich nach Hause.

Oft hatte ich den Gang gemacht, nicht selten traurig und mich einsam fühlend, aber dieses mal war mir zu Muthe, als ob -- die Menschheit mich aus ihrer Gattung ausgestoßen habe und Gottes Gnade und Langmuth gegen mich Sünder zu Ende sei.

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