Tagebuch Port Lincoln
September 1840 – Januar 1845
Aussage erwartet, die Nacht in Budlo zuzubringen, aber dies schien noch immer sehr weit zu sein, ( 061 ) daher freuten wir uns, eine Bay zu finden, die uns vor dem südlichen Winde schützte und dem Eingeborenen verdankten wir unser Wasser, welches wir sehr bedurften. Er nannte diesen Ort Mokomai oder Maimoko, zeigte uns ein kleines Wasserloch und ging dann ab, so schnell er nur konnte, kaum sich die Zeit nehmend, ein Messer, das ich ihm anbot, beizustecken.

Den 23ten December 1840.
Diesen Morgen wollte der rohe Franzose sich wieder nicht bewegen, behauptend, der Wind sei uns entgegen, sobald wir aber aus der Bay waren, machten wir wenigstens 5 Meilen jede Stunde. Wir segelten übrigens so weit vom Land, daß wir Budlo nicht wieder erkannten und erst als wir längst vorbei waren, bemerkten wir, wo wir seien, und schöpften die Hoffnung, noch diesen Tag zu Hause zu kommen. Dr. Harvey schlief den größten Theil des Tags und kam erst aufs Vordeck, als wir schon die Spitze Bolingbroke umschifft hatten, die er lange Zeit für die Tumbyinsel hielt. Als wir in die Bay fahren, hörten wir eine Kanone abfeuern, uns zu Ehren und eine Stunde oder zwei vor Abend gingen wir ans Land. Ich war auf viele Unannehmlichkeiten gefaßt, doch hatte ich nicht geglaubt, daß sie von der ( 062 ) Art sein würden, wie ich sie fand. Wegen unsers langen Ausbleibens hatte man sich erzählt, daß wir umgekommen seien; während meiner Abwesenheit hatte die Polizei und andre einen Zug nach Coffin Bay gethan, um die Mörder des Franz Hawson zu verhaften, wobei man mich als Dollmetscher gewählt hätte; ferner hatte eine Frau hier ein Kind verloren, welches nach der allgemeinen Meinung die Eingeborenen genommen haben sollten, und auch hierin hatte man meinen Beistand gewünscht, endlich war ein Schiff angekommen, hatte mir aber keine Briefe gebracht. Die Frau, deren Kind verloren war, bat mich, mit ins Innere zu gehen und das Kind zu suchen, was ich zu ihrer Befriedigung zu thun versprach, aber ihr zugleich meine Meinung sagte, daß ich es nicht bei Eingeborenen zu finden hoffe.

Den 24ten December 1840.
Rusch(094), der Vater des verlorenen Kindes, kam zu mir mit der Nachricht, daß an der Spitze der Bay ein Feuer sei, und bat mich, mit ihm zu gehen. Ich ging zum ersten Mal zu Pferde, und wen fanden wir als wir hinkamen? ( 063 ) Punalta nebst zwei andren Männern, Ngarka und Tunba. Tunba und Punalta gingen mit uns, während der andere zurückkehrte. Wir schliefen an dem Flusse Nondu(095) und gingen nächsten Morgen in aller Frühe in die Stadt. Es wehte wieder ein heißer Nordwind, der nach der Eingeborenen Aussage günstig für die Possumjagd ist, daher ließ ich sie beide mit Gottfried ausgehen. Tunba und Gottfried kamen zurück, Punalta aber sei schlimmer Füße halber zurück geblieben und werde später kommen. Allein er kam nicht und nach einiger Zeit ging auch Tunba wieder davon.

In der folgenden Woche, als ich gerade mit Herrn White ausgehen wollte, kamen vier junge Eingeborene zu mir, von denen einer mehrere Tage, nämlich bis zum neuen Jahre, blieb.

Seite zurück
zur Gesamtübersicht "Clamor Wilhelm Schürmann"
Seite vor