1844
( 127 ) Den 23ten December 1844.
Es kamen gegen Abend eine Anzahl Urbewohner in die Stadt, unter denen
Punalta und
Kunkas beide Söhne,
Tyilkelli und
Indelli, waren. Die größere Zahl derselben war mir indeß fremd, als:
Yernga,
Manga,
Mulpi,
Wambi und so weiter. Kaum hatten sie sich neben den vor ihnen anwesenden Eingeborenen gelagert, als ein heftiges Gezänk entstand, begleitet von tollen Hin und Herlaufen mit gefüllten Speeren, und andern Zeichen der Wuth. In der Meinung, daß es sogleich zum Kampf kommen würde, ging ich zu ihnen und ermahnte sie, keinen Streit in der Stadt anzufangen, weil die Weißen das übel nehmen und sie alle davon jagen dürften. Sie gaben mir indeß zu verstehen, daß sie keinen Streit, sondern blos ihren Zorn gegen die Battaragurarri [Gummibaum-Männer] an den Tag legen wollen, deren Einer, nämlich
Tyingalta, vor kurzem den
Pilgalta ins Knie gespeert hatte, welcher lahm in seinem Lager lag. Doch ließen sie sich durch meine Vorstellungen bewegen, das Geräusch einzustellen. Kaum aber war alles ruhig, als
Tynkalta einen neuen Streit mit seiner Frau und
Yutaltas junger Frau, die ihm verwandt ist, anfing, weil sie ihm keinen, oder ihm zu wenig dünkenden, Weizen gegeben [hatte]. Seine eigene Frau
( 128 ) speerte er in den Rücken und
Yutalta suchte er mit einer
Wirri zu werfen. Er fand hiezu indeß nicht sogleich Gelegenheit, weil sie ihm auswich, und jemand ihn [fest] zu halten suchte. Endlich traf er sie über der Hand, worauf sie ein großes Geheul machte, und
Yutalta, der bis dahin ganz unbekümmert den Dingen zuzusehen schien, den Streit aufnahm. Nachdem sie ein Paar
Wirris gewechselt, die beide geschickt mit ihren Waffen parierten, kamen sie einander nahe und versetzten sich Hieb auf die Köpfe,
Yutalta war hierbei wegen seiner Länge augenscheinlich im Vortheil und bedeckte seines Gegners Haupt mit Wunden, sodaß seine eine Seite ganz mit Blut bedeckt war. Nebenbei sagten sie einander die ärgsten Schimpfwörter so nahe ins Gesicht, daß ihre Nasen sich zu berühren schienen, und mit so starker Stimme, als ihre Kehlen zuließen. Als einige Andere [hin]zuliefen und ihr Waffen [hoch]hielten, rann[te]
Yutalta plötzlich davon, in der [die] Richtung des Polizeiamtes, um Polizeidiener zu holen, indeß lief ihm seine eigene Frau nach, um dies zu verhindern. Ich ging hierauf zu seiner Frau und untersuchte ihre Wunde, als
Tynkalta plötzlich einen Knüttel ergriff und ihr einen Hieb gab. Diese Frechheit ärgerte mich, so daß ich ihn ergriff und durchschüttelte, indeß hatte er nicht den Muth, mich anzurühren, so großmäulig er auch war. Er ging hierauf fort, kam aber bald wieder, und wollte den Zank erneuern, was jedoch nicht gelang. Gleich nach diesem Zwischenspiel
( 129 ) wechselten die neuangekommenen mit den alten Stadtkunden einige Felle aus, was bei den Urbewohnern ein Zeichen gegenseitiger Freundschaft zu sein scheint. Etwa 5 oder 6 Mann von jeder Seite bildeten eine dichten Haufen, näherten sich dann einander und schoben diejenigen, welche die Felle trugen, und die bis dahin hinten gewesen [waren], vor; diese traten dann dicht zusammen, hielten die Felle, welche fest zusammen gewickelt waren, zwischen sich über einander und nahmen endlich mit vieler gesuchter Mühe und großem Gerede der Umstehende jeder das jenige