Tagebuch Port Lincoln
September 1840 – Januar 1845
Fell, welches bis jetzt dem andern gehört hatte. Die neuangekommenen boten vor dieser Auswechslung mir an, ein Fell auszuwählen für mich, allein unsere alten Freunde wiederriethen mir dies. Der übrige Theil des Abends wurde mit einem Tanze zugebracht, für den sie sich auf folgende Weise schmückten: Von jeder Schulter herab bis an den Gürtel ziehen sie mit weißer Kreide je zwei Linien in der Gestalt eine Schwalbenschwanzes; um beide Augen einen weißen Ring, einen Streifen der Nase entlang und mehrere, je zwei zusammen, quer über die Arme; eben so wird von den Alten der Bart bemalt. Um das obere Gesicht, von einem Ohr zum andren, kleben sie eine Kranz von den Flaumfedern des Weluvogels, oder eines Adlers, was sie aussehen macht, wie eine Frau in ihrer Nachthaube. Als Kleister zu Befestigung der Flaumfedern bedienen sie sich des Blutes aus den Geschlechtstheilen, zu dessen Gewinnung Einer aus ihrer Zahl das Innere derselben verwundet. Über jedes Knie bindet sich jeder einen Büschel grüner Zweige und nimmt in die Hand einen 3 Fuß langen Faden. So ausgestattet beginnt der Kuri oder der Tanz, indem einige singen und mit ihren Stöcken den Tact schlagen. Die Weiber ( 130 ) sind ungeschmückt und nehmen nur in geringer Anzahl am Tanze theil, höchstens drei oder vier; doch scheinen sie nach der Männer Meinung durch diese Theilnahme den Werth der Lustbarkeit sehr zu erhöhen. Die Tänze sind übrigens sehr kurz, indem sie selten über 5 Minuten dauern; dagegen sind [sie] aber viel anmuthiger, als die der Adelaider Urbewohner. Der beliebteste Tanz und jedenfalls der beste besteht in einem Springen von einer Seite auf die Andre und einem Schwingen der Arme, sodaß, wenn der rechte Fuß auf der Erde steht, der Arm derselben Seite sich hebt, während der linke sinkt. Um das Gleichgewicht zu erhalten und Regelmäßigkeit der Bewegung zu erzielen, scheinen sie den schon genannten Strick mit beiden Händen zu halten, so daß die Entfernung der Arme von einander immer dieselbe bleiben muß. Übrigens ist der ganze Körper in anmuthiger und offenbar anstrengender Schwingung. --

Die Neuangekommenen berichtete, daß Kulkultu aufgehetzt von einem Andren, Wirkalta, Herrn Darke(109) gespeert hätte, und zwar während er ein Bedürfniß befriedigte, einen Angabe, die mit der von Darks Reisegefährten gegebenen, völlig übereinstimmte. Sie gaben verschiedene Antworten auf die Frage nach dem Beweggrunde dieser Mordthat, die wahrscheinlichste scheint indeß diese zu sein, daß die Urbewohner die Kleider der Europäer zu besitzen wünschten, da sie die Lebensmittel derselben nicht kannten und nicht schätzten.

( 131 ) Den 25ten December 1844. Weihnachten.
Ich hatte heute eine große Anzahl Schwarzer bei mir versammelt, denen ich die Geschichte der Geburt Christi zu erzählen und ihre Bedeutung zu erklären suchte, es war indeß unmöglich, die Ruhe und Stille unter einem solchen Haufen zu erhalten, so daß ich fürchte, wenig ausgerichtet zu haben. Nach der Versammlung hatte ich etwa ein Duzend Kinder [da], die ich die Buchstaben zu lehren angefangen [hatte].

Den 29ten December 1844. Sonntag.
Es wollte mir nicht gelingen, die Urbewohner heute zu versammeln.

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